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Frauen in der Green Economy

LAGOS/STOCKHOLM – Eine Gruppe aus geschäftstüchtigen Frauen und Jugendlichen in Ghana baut Fahrräder aus einem überraschenden Material: Bambus. Der Bambus wird von zehn Bäuerinnen und Bauern angebaut und 25 Beschäftigte fertigen daraus umweltfreundliche Fahrräder, die sowohl für die holprigen Straßen Ghanas geeignet sind, als auch ins Ausland exportiert werden. Bernice Dapaah, Gründerin und CEO von Ghana Bamboo Bikes, plant demnächst zwei weitere Werkstätten bauen zu lassen und so 50 weitere Arbeitsplätze in Gemeinden mit hoher Arbeitslosigkeit zu schaffen.

Ghana Bamboo Bikes ist nur ein Beispiel für die wichtige Rolle, die Frauen als treibende Kraft beim Übergang zu zukunftsfähigem Wirtschaftswachstum und nachhaltiger Entwicklung spielen können. Wenn wir eine erfolgreiche Zukunft auf einem gesunden Planeten sicherstellen wollen, brauchen wir weitere Beispiele wie diese. Die Welt braucht mehr weibliche Führungsköpfe beim Klimaschutz, ob an den Tischen, an denen politische Entscheidungen gefällt werden, oder an der Spitze von Unternehmen, die nachhaltige Wege beschreiten.

Volkswirtschaften wachsen, wenn mehr Frauen arbeiten. Einem Bericht des Weltwirtschaftsforums zufolge korreliert eine stärkere Gleichstellung von Frauen und Männern ‒ die beinhaltet, dass Humankapital in größerem Umfang genutzt wird ‒ positiv mit dem Pro-Kopf-BIP, der Wettbewerbsfähigkeit und der menschlichen Entwicklung. Wird dieses Kapital verschwendet, tritt das Gegenteil ein: Einem Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen zufolge kostet diese Ungleichheit der Geschlechter (Gender Inequality) Afrika südlich der Sahara durchschnittlich 95 Milliarden US-Dollar (oder 6 Prozent des BIP) pro Jahr.

Trotzdem tut sich vor Frauen auf aller Welt in Sachen Beschäftigung und Bezahlung nach wie vor eine gähnende Kluft zwischen den Geschlechtern auf. Seit 1990 beläuft sich der Anteil der weltweit erwerbstätigen Frauen auf rund 50 Prozent, verglichen mit über 75 Prozent bei den Männern. Und in den meisten Ländern verdienen erwerbstätige Frauen im Durchschnitt nur 60-75 Cent für jeden Dollar, den ein Mann verdient.

Um Wachstum und die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, müssen wir das Potenzial aller Arbeitskräfte nutzen und Frauen nicht nur Einkommens-, sondern auch Führungschancen eröffnen. Frauen müssen ermächtigt werden und ihre Rolle in der Wirtschaft muss sich wandeln. Welcher Zeitpunkt wäre hierfür besser geeignet als jetzt, wo die Welt erneut Wege des wirtschaftlichen Wandels ‒ hin zu einer Green Economy ‒ beschreitet?

Tatsächlich ist ein Wandel der Rolle von Frauen in der Wirtschaft vor dem Hintergrund des Klimawandels vielleicht sogar noch dringender geboten. Die traditionelle Verteilung von Verantwortung bedeutet, dass Männer und Frauen oft unterschiedlich vom Klimawandel betroffen sind, vor allem in den Entwicklungsländern.

Da Männer häufiger Lohnarbeit verrichten oder in der Produktion von Agrarprodukten beschäftigt sind, die für den Export bestimmt sind ‒ sogenannte „Cash Crops“ ‒, kann ihnen ein Ereignis wie eine Dürre ihren Lohn kosten und sie zwingen, Arbeit in den Städten zu suchen. Frauen, die häufig für die Fürsorge der Familie verantwortlich sind und vor Ort Erzeugnisse zur Selbstversorgung anbauen, haben diese Option nicht.

Stattdessen müssen Frauen alternative Möglichkeiten finden, ihre Versorgung mit Nahrungsmitteln vor Ort sicherzustellen und ein Einkommen zu erzielen, um ihre Familie zu ernähren, etwa durch den Verkauf kleiner Vermögenswerte oder indem sie ihre Kinder aus der Schule nehmen, damit diese helfen können. In Regionen, wo Frauen ohnehin tagein, tagaus Stunden damit zubringen, Trinkwasser zu holen und durch Veränderungen der Niederschlagsverteilung gezwungen sein können, sogar noch längere Wege auf sich zu nehmen, verschärfen sich die Probleme entsprechend.

Vor diesem Hintergrund ist es von entscheidender Bedeutung Frauen zu ermächtigen die Chance zu ergreifen, die der Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaftet bietet. Dabei können sich Veränderungen in vier zentralen Bereichen als besonders wertvoll erweisen.

Erstens brauchen Frauen besseren Zugang zum Finanzsystem. In Afrika südlich der Sahara ist die Wahrscheinlichkeit ein Bankkonto zu haben bei Männern 30 Prozent höher als bei Frauen. Um diese Lücke zu schließen, müssen wir Darlehens- und Sparinstrumente mit flexibleren Anforderungen schaffen, die für Frauen funktionieren. Hierzu zählt etwa die Ausweitung von Mikrokrediten – ein Ansatz, der es Frauen in vielen Ländern bereits ermöglicht hat zu Unternehmerinnen zu werden.

Damit dies gelingt, müssen nach wie vor skeptische Kreditgeber überzeugt werden, dass Frauen zuverlässige – und wertvolle – Kunden sind, was unter anderem durch Daten über die Vergabe von Mikrokrediten belegt wird, die beweisen, dass Frauen Darlehen mindestens ebenso zuverlässig zurückzahlen wie Männer. Sobald Frauen Zugang zum Finanzsystem haben, können sie Kleinunternehmen gründen und in diese investieren und mit einem Gefühl größerer Sicherheit auf Ersparnisse zurückgreifen, falls sie in eine Notlage geraten.

Zweitens brauchen Frauen gleiches Recht auf Land. Grundbesitz – ob durch Miteigentümerschaft von verheirateten Frauen oder als Alleineigentum einer alleinstehenden Frau, die einem Haushalt vorsteht – verbessert nicht nur die wirtschaftliche Sicherheit und Produktivität, sondern auch den Zugang zum traditionellen Finanzwesen. Wenn Frauen formalen Anspruch auf das von ihnen bewirtschaftete Land besitzen, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie in die Fruchtbarkeit des Bodens investieren und so zu einer produktiveren und nachhaltigeren Flächennutzung beitragen.

Drittens brauchen Frauen politische Regelungen, die ihre aktive Teilhabe an der entstehenden Green Economy fördern, einschließlich besserer Bildung, Qualifikation und Schutz vor Diskriminierung am Arbeitsplatz. Die Branche der regenerativen Energiewirtschaft ist noch so jung, dass sie dazu beitragen kann, Frauen in nicht-traditionelle, besser bezahlte Berufe zu bringen, etwa im Ingenieurwesen.

Abschließend müssen Frauen politisch ermächtigt werden. Wenn die Hälfte der Bevölkerung keinen Einfluss auf politische Entscheidungen hat, leidet die Legitimität der Politikgestaltung. Die Regierungen führen Anreize und Regelungen ein, um den Übergang zu einer nachhaltigen und integrativen Wirtschaft zu unterstützen, und in diesem Prozess können Frauen eine wichtige Rolle spielen.

Sogar ohne Unterstützung in dieser Form nutzen Frauen bereits die Chancen, die dieser Übergang bietet. Solar Sister ist ein Social Business, das 2.500 Arbeitsplätze für Frauen geschaffen hat, die erschwingliche Solarleuchten in Nigeria, Tansania und Uganda verkaufen. Lumos, ein weiteres Unternehmen, das sozialen und ökologischen gesellschaftlichen Problemen mit Solartechnik begegnen will, stärkt Unternehmerinnen in Nigeria.

Trotzdem ist der Frauenanteil in der Umwelttechnologiebranche noch nicht groß genug und diejenigen, die in dieser Branche tätig sind, arbeiten in der Regel auf den unteren Stufen der Karriereleiter. Um das zu ändern – und es allen Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen, ihr wirtschaftliches Potenzial zu entfalten – sind aktive Anstrengungen notwendig, um die soziale und politische Inklusion von Frauen zu fördern.

Es ist nicht nur das Richtige für Frauen und für den Planeten, die Kluft zwischen den Geschlechtern zu schließen, sondern auch smart economics: Es rechnet sich. Lassen wir uns diese Chance nicht entgehen.

Aus dem Englischen von Sandra Pontow.