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Der Fonds für klimabedingte Schäden und Verluste kommt

KAIRO – Die Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP27) im November vergangenen Jahres in Scharm el-Scheich, Ägypten, endete mit einem historischen Höhepunkt: In letzter Minute wurde die Einrichtung eines Fonds für Schäden und Verluste beschlossen. Die Entscheidung, gefährdeten Ländern, die unter den schlimmsten Auswirkungen der globalen Erwärmung leiden, finanzielle Unterstützung zu gewähren, war ein bemerkenswerter Erfolg, der weltweit Beachtung gefunden hat. Doch auf dem Weg von der Einrichtung des Fonds zu seiner Umsetzung bleiben wichtige Fragen zu klären.

Was ist ein realistisches Finanzierungsziel? Wer wird finanzielle Unterstützung erhalten? Welche Stellen werden das letzte Wort über den Fonds haben?

Auf halber Strecke zwischen der COP27 und der COP28 in Dubai muss sich die internationale Gemeinschaft diesen entscheidenden Fragen im Geiste des konstruktiven Multilateralismus widmen, der die Verhandlungen in Scharm el-Scheich belebt hat. Regierungen, Aktivisten und betroffene Bürgerinnen und Bürger waren in der Lage, sich auf diesen zentralen Punkt der Klimagerechtigkeit zu einigen, und wir müssen nun das gleiche Maß an Zusammenarbeit an den Tag legen, um ihn zum Erfolg zu führen.

Im März hielt der COP27-Vorsitz in Luxor, Ägypten, die erste Tagung des Übergangsausschusses ab, um darüber zu beraten, wie der neue Fonds seine Arbeit aufnehmen kann. Die Zusammensetzung des Ausschusses sorgt für ein breites Spektrum an Stimmen, und komplexe Themen wurden in einem konstruktiven Geist der Zusammenarbeit diskutiert.

Die dreitägige Tagung endete mit der Annahme eines Arbeitsplans, der substanzielle und verfahrenstechnische Meilensteine enthält, um rechtzeitig vor der COP28 umsetzbare Empfehlungen zu erarbeiten. Darüber hinaus wird in dem Plan dargelegt, wie sich der Ausschuss bei jedem Treffen auf alle Elemente seiner mandatierten Empfehlungen konzentrieren und schrittweise auf einen Konsens hinarbeiten wird.

Das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen definiert Verluste und Schäden als Schäden, die durch den vom Menschen verursachten Klimawandel entstehen. Lösungen, die diesen Schaden für gefährdete Bevölkerungsgruppen weltweit hinausschieben, minimieren oder verhindern, müssen ebenfalls vom Menschen entwickelt werden. Es liegt in unserer kollektiven Verantwortung, wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung der globalen Erwärmung zu ergreifen sowie Leid zu lindern und Menschen finanziell zu unterstützen, deren Leben durch die steigenden Temperaturen aus den Fugen geraten ist.

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Die Sitzungen des Übergangsausschusses dienen genau diesem Zweck: Es sollen wirksame Methoden und Modalitäten erörtert werden, mit denen das Konzept des Fonds für Schäden und Verluste in greifbare Realität umgesetzt und gleichzeitig Lücken im bestehenden Klimafinanzierungssystem ermittelt werden können. Derzeit werden Anfragen und Forderungen analysiert und berücksichtigt, bevor die Mechanismen zur Gewährleistung einer ordnungsgemäßen Umsetzung festgelegt werden.

Der Fonds wird von einem breiten Spektrum staatlicher, zivilgesellschaftlicher und privatwirtschaftlicher Akteure unterstützt und soll die kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Entwicklungsländer berücksichtigen. Er wird finanzielle und technologische Ressourcen bereitstellen, um auf Verluste und Schäden zu reagieren, die durch unmittelbare und langsam eintretende Ereignisse verursacht werden. Dabei kann es sich um Frühwarnsysteme, die Verringerung des Katastrophenrisikos oder die Wiederherstellung von Ökosystemen handeln.

Als Initiator des Fonds setzt sich Ägypten dafür ein, seine Wirksamkeit, Transparenz und Zugänglichkeit zu gewährleisten. Wir sind der festen Überzeugung, dass alle Beteiligten uneingeschränkt zusammenarbeiten müssen, um die Ziele des Fonds zu erreichen und in den von der globalen Erwärmung am stärksten betroffenen Gemeinschaften eine deutliche Veränderung zu bewirken. Die Last des Klimawandels ist ungleich verteilt, und wir haben die Chance, ein viel gerechteres und stabilitätsförderndes Gleichgewicht zu schaffen.

Der Fonds für Verluste und Schäden ist ein wichtiger Schritt nach vorn, aber er reicht nicht aus. Wir müssen weiterhin unermüdlich daran arbeiten, die Treibhausgasemissionen – die Hauptursache des Klimawandels – zu reduzieren. Dies kann erreicht werden, indem wir den Übergang zu sauberer Energie beschleunigen, Bevölkerungsgruppen in die Lage versetzen, ihre Existenzgrundlagen anzupassen, und die wissenschaftlichen Empfehlungen im Einklang mit international vereinbarten Grundsätzen befolgen.

Gleichzeitig ist es dringend notwendig, einen funktionierenden Fonds für Schäden und Verluste einzurichten, der die auf der COP27 gemachten Versprechen einhält. Ostafrika und die Sahelzone werden derzeit von schweren Dürren heimgesucht, die auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurückzuführen sind, der zu geringen Regenmengen und einer erhöhten Evapotranspiration in Pflanzen und Böden geführt hat. Viele Menschen in den betroffenen Ländern sind aufgrund der unsicheren Ernährungslage zu Vertriebenen im eigenen Land oder zur Migration gezwungen geworden. Dies unterstreicht die zerstörerischen Auswirkungen der globalen Erwärmung und die zunehmend begrenzte Fähigkeit von Natur und Mensch, sich an diese anzupassen.

Der neu geschaffene Fonds wird in den Klimadiskussionen weiterhin oberste Priorität haben, und es ist von entscheidender Bedeutung, die COP28 mit einer klaren Strategie für seine wirksame Umsetzung zu beginnen. Wir müssen die Aufgabe mit einem gemeinsamen Zielbewusstsein angehen – nur wenn wir zusammenarbeiten und die Details gut hinbekommen, können wir beginnen die enormen Ungleichheiten der Krise in Angriff zu nehmen. Angesichts der Bedeutung der Aufgabe bin ich aber zuversichtlich, dass wir erfolgreich sein werden.

Aus dem Englischen von Sandra Pontow

https://prosyn.org/S3PbF5gde