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Mit kleinen Ideen gegen den Klimawandel

SAN FRANCISCO/WASHINGTON, DC – Dürren, Waldbrände, Wirbelstürme, Überschwemmungen und andere extreme Wetterereignisse „beispiellos“ zu nennen, wird langsam alt. Der Weltklimarat hat uns im August in seinem aktuellen Bericht die bittere Realität dargelegt, der wir gegenüberstehen. Viele Länder im südlichen Afrika leiden schon seit mehreren Jahren unter einer durch die Erderwärmung verschärften Dürre.

Zwar scheinen die Staats- und Regierungschefs jetzt endlich ernsthaft handeln zu wollen, eine wichtige Gruppe fehlt jedoch regelmäßig auf allen wichtigen Klimakonferenzen wie dem jüngsten Weltklimagipfel in Glasgow: lokale klimabewusste Kleinunternehmen, die sich schon heute erfolgreich für ihre Gemeinschaft engagieren. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die sich für Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel einsetzen, spielen eine unverzichtbare, jedoch oft unterschätzte Rolle bei der Senkung der Emissionen.

Zwar gibt es inzwischen immer mehr Möglichkeiten zur Finanzierung des Klimaschutzes, es wird jedoch weiterhin übersehen, dass KMU für die nachhaltige Entwicklung eine entscheidende Rolle spielen. In den Entwicklungsländern haben über 200 Millionen KMU keinen Zugang zu der Finanzierung, die sie brauchen, was schätzungsweise einer Finanzierungslücke von insgesamt 5,2 Billionen US-Dollar entspricht. Internationale Investoren stecken ihr Geld lieber in größere Projekte und lokales Kapital spielt kaum eine Rolle, weil neu gegründete Unternehmen weder die geforderten Sicherheiten leisten noch die unangemessen hohen Zinsen zahlen können.

Laut Zahlen der Weltbank stellen KMU weltweit 90 % aller Unternehmen und über 50 % aller Arbeitsplätze und eröffnen daher wichtige Chancen für die wirtschaftlichen Erholung nach der Coronapandemie. Beispiele wie SELCO India, ein Pionier im Bereich Solaranlagen für die netzunabhängige Stromversorgung, und Husk Power, ein innovativer Stromversorger, der für Kunden in Asien und Afrika in umlagefinanzierten Anlagen erneuerbare Energie erzeugt, zeigen, dass kleine Unternehmen mit der richtigen Finanzierung und technischen Unterstützung durch den Zugang zu Energie – einem wichtigen internationalen Ziel – das Leben vieler Menschen verbessern können. Außerdem fördern netzunabhängige erneuerbare Energien die nachhaltige Mobilität auf dem Land und in der Stadt.

Auch in der umweltfreundlichen Landwirtschaft spielen kleine Unternehmen eine bedeutende Rolle. Durch den Anbau von Nutzpflanzen und die Viehwirtschaft entstehen24 % der weltweiten Treibhausgasemissionen und landwirtschaftliche Betriebe sind durch Dürren, Überschwemmungen und steigenden Temperaturen besonders gefährdet. Deshalb sollten wir dringend die Finanzierung klimaschonender Betriebe gewährleisten, um unsere Nahrungsmittelsysteme krisenfest zu machen. Auch hier ist die netzunabhängige Energieversorgung unverzichtbar, weil sie Strom für Bewässerung, Verarbeitung und den Betrieb der Kühlräume und -vorrichtungen bereitstellt, die für die Lagerung von Milchprodukten, frischen Fischen und Meeresfrüchten, Obst und Gemüse gebraucht werden. In Indien unterstützt Technoserve kleine Betriebe dabei, sich ohne zusätzliche Emissionen an den Klimawandel anzupassen und ihre Produktivität zu steigern.

Wie diese Beispiele zeigen, können kleine Unternehmen mit der nötigen Finanzierung und Unterstützung zum Wirtschaftswachstum beitragen, Emissionen senken und die Anpassung an den Klimawandel vorantreiben. Dies ist möglich, weil sie agiler und anpassungsfähiger sind als große Konzerne und deshalb schneller und erfolgreicher auf lokale Bedürfnisse reagieren können. Außerdem bieten sie Regierungen und Politikern die Möglichkeit, neue Ideen zu testen und Fallstricke und bewährte Verfahren zu identifizieren, bevor Initiativen regionale oder landesweit umgesetzt werden.

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Wir können das Ziel der globalen Klimaneutralität nur erreichen, wenn Politik, Investoren, Banken und andere Akteure viel stärker auf die Bedürfnisse von KMU eingehen als bisher. Für den Anfang braucht die Welt mehr Finanzierungsmodelle und -instrumente, die passgenau auf kleine Unternehmen in der grünen Wirtschaft zugeschnitten sind. Das heißt eine Kombination aus kostengünstigem und langfristigem Kapital, gemischter Finanzierung und einem vereinfachten Zugang zu Finanzierung.

Zweitens braucht die Welt mehr Acceleratorprogramme mit einem Schwerpunkt auf der Klimaanpassung. Derzeit haben nur 25 grüne Acceleratoren ihren Sitze in Ländern außerhalb der OECD. Forschungsfinanzierung und die Schaffung professioneller Netzwerke sind gute Möglichkeiten, um kleine Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial zu fördern.

Drittens brauchen wir bessere Kennzahlen zur Erfolgsmessung. Das heißt nicht, dass wir ökologische, soziale und regulatorische Standards senken müssen. Aber wir sollten spezielle Indikatoren für klimafreundliche KMU schaffen, mit denen sie ihre Leistung nachweisen und Investoren überzeugen können.

Und schließlich müssen Investoren aufhören, die Frauen zu ignorieren, die im Globalen Süden bis zu 80 % aller Nahrungsmittel erzeugen. Diese Frauen sind besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Investitionen, die Unternehmerinnen beim Klimaschutz unterstützen, kommen dem Klima, der Nahrungsmittelproduktion und der wirtschaftlichen Entwicklung zugute.

Ohne die kleinen Unternehmen sind Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel nicht zu schaffen. Es ist in unser aller Interesse, dass sie die dafür notwendige Finanzierung und Unterstützung bekommen.

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