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Wie sich das Klima im Hinblick auf den Klimawandel verändert

OSLO – In den frühen 1990er Jahren, als ich Ministerpräsidentin von Norwegen war, geriet ich in eine Diskussion mit einem Oppositionsführer über Nachhaltige Entwicklung. Mein Gesprächspartner bestand darauf, ich solle ihm die stärkste Priorität der Regierung in diesem Bereich mitteilen. Frustriert erwiderte ich, seine Frage sei unmöglich zu beantworten. Zum Schluss unseres Gesprächs erklärte ich ihm den Grund dafür: „Weil alles mit allem verbunden ist.“

Glücklicherweise ist diese Art zu denken heute verbreiteter als damals. Ein Grund dafür ist der Ansatz menschlicher Entwicklung, der die Komplexität der Natur betont und erkennt, dass die multidimensionalen Probleme unserer heutigen Zeit nicht durch eindimensionale Maßnahmen gelöst werden können. Tatsächlich sind die momentanen Herausforderungen selten ausschließlich ökologischer, sozialer oder wirtschaftlicher Natur, und ihre Lösungen liegen nicht im Kompetenzbereich eines einzelnen Regierungsministeriums. Ohne eine umfassende und multidisziplinäre Wirkungsanalyse kann eine solch enge Denkweise zu neuen Problemen führen.

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In besonderem Maße trifft dies auf den Klimawandel zu. Glücklicherweise setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass die weltweit steigenden Temperaturen nicht nur ein Umweltproblem sind. Dies gibt Anlass zur Hoffnung, die Politiker in aller Welt könnten endlich bereit sein, das Problem auf effektive Weise zu lösen.

Später in diesem Jahr werden sich die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen in Paris treffen, um ein umfassendes Abkommen zum Kampf gegen den Klimawandel zu verabschieden. In den Gesprächen im Vorfeld der Konferenz hat sich ein Konsens darüber gebildet, dass Klimawandel nicht nur mit vielen anderen Umweltproblemen verknüpft ist (Klima, Wasser, Boden und Biodiversität sind alle Teil desselben Systems), sondern auch mit sozialen und wirtschaftlichen Problemen wie Armut, nachhaltiger Entwicklung und dem Wohlergehen zukünftiger Generationen.

Dafür, dass das Abkommen, das in Paris geschlossen wird, funktioniert, gibt es keine Garantie. Wie der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan im Dezember geschrieben hat: „Viel zu oft kümmern sich Politiker um die Themen, die am naheliegendsten sind, aber die dringendsten Probleme sind oft – geographisch oder zeitlich – weiter entfernt. Wenn wir beispielsweise daran scheitern, den Klimawandel einzudämmen, werden die zukünftigen Generationen und die armen Länder weit weg von den weltweiten Machtzentren am stärksten darunter leiden.“

Aber gleichzeitig ist es nicht nur die Zukunft, die uns interessieren sollte. Wie die Ökonomen Amartya Sen und Sudhir Anand vor mehr als einem Jahrzehnt argumentiert haben: „Wären wir von intergenerationeller Gleichheit besessen, ohne uns gleichzeitig um Gleichheit innerhalb unserer Generation zu kümmern, wäre dies eine schwere Verletzung des universalistischen Prinzips.“

Nachdem sie das universalistische Prinzip bereits viel zu lang ignoriert haben, scheinen die Politiker in aller Welt endlich das Ausmaß des Problems zu erkennen – ebenso wie ihre Verantwortung für die Menschen weit jenseits ihrer unmittelbaren Wahlbezirke. Das im letzten Jahr verabschiedete Klimaabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und China zeigt, dass einer der größten Stolpersteine der Verhandlungen – die Spaltung zwischen den reichen und den armen Ländern – gerade überwunden wird. Jetzt, wo China daran arbeitet, die Zunahme seiner Treibhausgasemissionen umzukehren, wird es für andere Entwicklungs- und Schwellenländer immer schwieriger, Argumente gegen die Kontrolle ihrer eigenen Emissionen zu finden.

Die Europäische Union legt die Latte für Maßnahmen gegen den Klimawandel weiterhin hoch. Im letzten Jahr hat sie sich verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40% gegenüber dem Niveau von 1990 zu senken. Dies bedeutet, dass dann mindestens 27% der Energie in der EU aus erneuerbaren Quellen stammen muss.

Auch das wegweisende Emissionshandelssystem der EU ist ein wichtiger Schritt vorwärts, obwohl die Emissionsberechtigungen verringert und die Emissionskosten erhöht werden müssen, wenn das System effektiv sein soll. Die Investitionen in die Energieversorgung und die Produktionsprozesse der Zukunft werden größtenteils aus dem privaten Sektor kommen, aber die Regierungen müssen die institutionellen und regulatorischen Rahmenbedingungen schaffen, die nötig sind, damit diese Investitionen in eine ökologisch nachhaltige Richtung fließen.

Und schließlich zeigt der steile Anstieg der Zusicherungen für den „Grünen Klimafonds“, dass der überproportionale Einflusses des Klimawandels auf die weltweit ärmsten und verletzlichsten Menschen zunehmend anerkannt wird. Das vorläufige Ziel von 10 Milliarden Dollar an nationalen Beiträgen wurde bereits überschritten. Länder wie Mexiko, Panama, Indonesien und die Mongolei sind inzwischen Beitragzahler, auch wenn die Hauptverantwortlichkeit für das Problem weiterhin bei den großen Industriestaaten der Welt liegt.

Für Milliarden von Menschen steht extrem viel auf dem Spiel. In diesem Monat wird erwartet, dass die UN die Ziele Nachhaltiger Entwicklung verabschieden, ein weltweites Paket von Zielen, die im Vergleich zu ihren Vorgängern, den Millennium-Entwicklungszielen, insofern einen Quantensprung darstellen, als dass sie in jeden Aspekt von Politik und Praxis den Gedanken der Nachhaltigkeit einbringen.

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Sind die Politiker aber nicht in der Lage, glaubhaft zu machen, dass sie den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf 2° Celsius begrenzen können, werden die Ziele Nachhaltiger Entwicklung wohl kaum erreicht. Ein stabiles Klima ist die Grundlage für die Verringerung der Armut, für Wohlstand und Rechtsstaatlichkeit – kurz gesagt, für menschliche Entwicklung. Dies, so hätte ich meinem politischen Gegner vor einer Generation erklären können, ist die positive Seite der Tatsache, dass alles miteinander verbunden ist.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff