Pius Utomi Ekpei/AFP/Getty Images

Wie Korruption den Klimawandel anheizt

LONDON, BERLIN – Anti-Korruptions-Aktivisten und Aktivistinnen haben 2016 eine Anzahl wichtiger Siege errungen, nicht zuletzt, indem sie erreicht haben, dass eines der korruptesten Geschäfte der großen Ölgesellschaften von der Justiz aufgearbeitet wird: der Erwerb des nigerianischen Ölfeldes OPL 245 durch Royal Dutch Shell und Eni, den größten Ölkonzern Italiens, im Jahre 2011. Im Dezember erhob die nigerianische Kommission für Wirtschafts- und Finanzkriminalität Anklage gegen einige der beteiligten Nigerianer, und die italienische Staatsanwaltschaft hat inzwischen ihre eigene Untersuchung abgeschlossen, was den Tag näher bringt, an dem sich die für das Geschäft verantwortlichen Führungskräfte und Unternehmen vor Gericht verantworten müssen.

Mehrere Monate zuvor, im Juni 2016, hatte die US-Börsenaufsicht SEC eine Vorschrift gemäß Section 1504 des 2010 Dodd-Frank Act veröffentlicht, die Öl-, Gas-und Bergbauunternehmen verpflichtet, alle an Regierungen geleisteten Zahlungen auf Projektbasis offen zu legen. Wenn die SEC ihre Vorschrift eher erlassen hätte, hätten Shell und Eni das OPL-245-Geschäft höchstwahrscheinlich nicht abgeschlossen, weil sie dann ihre Zahlung hätten offenlegen müssen. Doch Widerstand seitens der Ölindustrie verzögerte die Vorschrift; daher waren die Unternehmen in der Lage, die Zahlung zu verheimlichen.

Zugleich wurde im letzten Jahr erstmals in Jahrmillionen die Marke von 400 ppm (parts per million) CO2 in der Atmosphäre erreicht. Obwohl das Pariser Klimaabkommen bei seiner Verabschiedung im Dezember 2015 als großer Erfolg gefeiert wurde, lassen viele Unterzeichnerstaaten seitdem einen bemerkenswerten Mangel an Ehrgeiz erkennen, wenn es um die Umsetzung  ihrer Verpflichtungen zur CO2-Reduzierung geht. Um zu verstehen, warum dies so ist, muss man sich das enorme Ausmaß vergegenwärtigen, in dem unsere Regierungssysteme durch die korrumpierenden Einflüsse von Partikularinteressen vereinnahmt werden.

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