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Was sagt uns das Pfund Sterling?

LONDON – Aus 32jähriger Erfahrung im Finanzsektor weiß ich, dass die seltsame Welt der Devisenmärkte manchmal nicht mit dem gesunden Menschenverstand zu fassen ist und dass der Versuch, einen zugrunde liegenden Gleichgewichtswert für das Pfund Sterling abzuschätzen, ein hoffnungsloses Unterfangen sein kann.

Tatsächlich wurde das Pfund am 23. Juni, dem Tag des Brexit-Referendums, in den hektischen Stunden nach Schließung der Wahllokale über dem Kurs von £ 1,5/$ 1 gehandelt. Dieser Kurs spiegelte die jetzt unsinnige Annahme wider, dass die Gegner des Austritts gewonnen hätten. Das Pfund ist seit diesem ursprünglichen Höchststand inzwischen um 20% gefallen, und gegenüber dem Euro ist es in ähnlicher Weise gesunken.

Trotz dieser Diskrepanzen gibt es Wege, die Entwicklung des Pfund Sterling seit dem Brexit einigermaßen präzise zu messen. Zunächst einmal können wir seinen heutigen Wert mit seinem Durchschnittswert während des Kampagnenzeitraums von Februar bis Juni vergleichen. Aus dieser Perspektive betrachtet, ist das Pfund seit der britischen Wählerentscheidung zum Austritt aus der EU immer noch deutlich um 13% gefallen.

Über die Betrachtung der Kaufkraftparität hinaus haben wir zudem Modelle zur Einschätzung gleichgewichtiger realer Wechselkurse. Wir können etwa den Wechselkurs ermitteln, bei dem ein Land eine nachhaltige Leistungsbilanz erreichen kann, oder den Kurs, der es einer Volkswirtschaft erlauben würde, Vollbeschäftigung zu erreichen.