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Eine instabile Wirtschaftsordnung?

LAGUNA BEACH – Der Rückzug der hochentwickelten Volkswirtschaften aus der Weltwirtschaft – und im Falle des Vereinigten Königreiches aus regionalen Handelsvereinbarungen – hat in letzter Zeit eine Menge Aufmerksamkeit erregt. In einer Zeit, in der die Grundstrukturen der Weltwirtschaft unter Druck stehen, könnte dies weitreichende Folgen haben.

Ob aufgrund eigener Entscheidung oder aus Notwendigkeit: Die große Mehrheit der Volkswirtschaften unserer Welt ist Teil eines multilateralen Systems, das ihren Gegenstücken in der hochentwickelten Welt – insbesondere den USA und Europa – enorme Privilegien bietet. Drei davon ragen heraus.

Erstens können die hochentwickelten Volkswirtschaften, weil sie die wichtigsten Reservewährungen der Welt herausgeben, selbstbedrucktes Papier gegen von anderen produzierte Waren und Dienstleistungen eintauschen. Zweitens sind die Anleihen dieser Volkswirtschaften für die meisten globalen Anleger eine quasi automatische Komponente bei der Portfolio-Allokation; daher werden die Haushaltsdefizite ihrer Regierungen teilweise durch die Ersparnisse anderer Länder finanziert.

Der letzte wichtige Vorteil der hochentwickelten Volkswirtschaften besteht in Stimmrechten und Repräsentation. Sie haben entweder ein Veto oder eine Sperrminorität in den Bretton-Woods-Institutionen (dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank), was ihnen einen überproportionalen Einfluss auf die Regeln und Verfahren verschafft, die das internationale Wirtschafts- und Währungssystem bestimmen. Und angesichts ihrer historischen Dominanz über diese Organisationen sind die Spitzenpositionen faktisch für Staatsangehörige dieser Länder reserviert.