gates10_john keatley_hedegaard gates John Keatley 

Insider Interview

Keine Zeit zu verschwenden

Das neue Buch von Bill Gates, Wie wir die Klima Katastrophe verhindern: Welche Lösungen es gibt und welche Fortschritte nötig sind, erscheint in diesem Monat.

Connie Hedegaard: Lassen Sie mich mit einem Geständnis beginnen: Jahrelang habe ich gedacht, dass Sie am Klimawandel nicht besonders interessiert seien. Ich erinnere mich lebhaft an eine nicht-öffentliche Sitzung in Davos vor einigen Jahren. Die Diskussion wandte sich dem Klima zu, und Sie verließen den Raum.

Jetzt sprechen Sie sich überzeugend und mit Nachdruck für ein dringendes Handeln zum Schutz des Klimas aus. Sie beginnen Ihr Buch mit einer Beschreibung dieser Entwicklung: Zunächst sei es Ihnen schwergefallen, „zu akzeptieren, dass, solange die Menschen Treibhausgase freisetzen, die Temperaturen weiter steigen würden“. Erst nachdem sie sich mehrmals mit Folgefragen an eine Gruppe von Klimawissenschaftlern gewandt hätten, hätten Sie das irgendwann akzeptiert. Worauf führen Sie Ihre anfängliche Ablehnung zurück, und wie ließe sich Ihre Erfahrung nutzen, um andere mit an Bord zu holen?

Bill Gates: Die Welt ist heute ein völlig anderer Ort als damals, als ich begann, mich mit dem Klimawandel zu beschäftigen. Wir wissen mehr, und es gibt einen stärkeren Konsens in Bezug auf das Problem. Vielen Menschen fällt es allerdings nach wie vor schwer, zu akzeptieren, dass eine bloße Verringerung der Emissionen – ohne einen Kurs in Richtung Netto-Emissionsfreiheit abzustecken – nicht ausreicht. Es ist zudem schwer, die schiere Menge der Innovationen zu akzeptieren, die erforderlich ist, um dieses Ziel zu erreichen – um die Energiebranche, den größten Wirtschaftszweig in unserer Welt, grundlegend neu aufzustellen. In meinem Buch präsentiere ich die Argumente, die mich überzeugt haben und von denen ich hoffe, dass sie auch andere überzeugen werden. Die Klimaschutzbefürworter würde ich drängen, sich weiterhin für die Nettonull und für eine Form der Emissionsreduzierung, die uns auf diesen Kurs bringt, einzusetzen.

CH: Beträchtliche Aufmerksamkeit widmen Sie dem Bemühen, abstrakte Konzepte oder komplexe Daten konkreter und allgemeinverständlicher zu machen. Das reicht von Ihrer Badewannen-Analogie bis hin zu Ihrer Fisch-Allegorie. Glauben Sie, dass dieser Ansatz der Schlüssel ist, um eine Veränderung im Denken all jener anzustoßen, die allen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Daten zum Trotz noch immer zu glauben scheinen, dass wir einfach weitermachen können wie bisher? Haben ähnliche Ansätze Ihnen geholfen, die technologischen Grenzen bei Microsoft zu verschieben oder bei der Gates Foundation die globale Gesundheit und Entwicklung voranzubringen?

BG: Auch wenn sich das Buch nicht speziell an Klimaskeptiker richtet, hoffe ich ganz klar, dass es sie überzeugt, dass wir ernsthaft in saubere Energien investieren müssen. Die Länder, die die Innovation in diesem Bereich am aktivsten vorantreiben, werden die Heimat der nächsten Generation bahnbrechender Unternehmen sein: mit all den Arbeitsplätzen und der Wirtschaftsaktivität, die damit einhergehen. Daher sind diese Investitionen selbst dann sinnvoll, wenn einen das – hieb- und stichfeste – Argument, dass wir Klimaveränderungen verursachen, die, wenn man nichts dagegen tut, katastrophale Folgen haben werden, nicht überzeugt.

CH: Die COVID-19-Pandemie hat nicht nur die Kosten deutlich gemacht, die es hat, wenn man wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert, sondern auch, dass rasche Verhaltensänderungen im großen Maßstab möglich sind. Und sie hat gezeigt, dass Regierungen, die Verantwortung für die Bekämpfung der Probleme übernehmen, sich Respekt erwerben können. Doch hat sie uns – Sie haben darauf hingewiesen – noch eine weitere wichtige Lehre vermittelt: Der relativ geringe Rückgang der Treibhausgas-Emissionen (10%), den die weltweiten Lockdowns bewirkt haben, beweist, dass Verhaltensänderungen wie weniger Fliegen oder Autofahren nicht annähernd ausreichen. Hält die Pandemie noch weitere Lehren parat, die auf den Klimawandel anwendbar sind? Und wie lassen sie sich am besten für den Klimaschutz nutzen?

BG: Die Idee, dass weniger Fliegen oder Autofahren nicht ausreicht, bedeutet im Umkehrschluss, dass wir massive Innovationen brauchen, eben damit die Leute fliegen, Auto fahren oder anderweitig am modernen Wirtschaftsleben teilnehmen können, ohne Emissionen zu verursachen. Tatsächlich ist dies eine noch größere Herausforderung als die Herstellung und Verteilung von COVID-19-Vakzinen (und dabei handelt es sich um die größte öffentliche Gesundheitskampagne aller Zeiten).

Doch wird dazu dieselbe enge Zusammenarbeit zwischen Regierungen auf allen Ebenen und auch mit dem privaten Sektor erforderlich sein. Und genau wie wir alle unser Scherflein beitragen müssen, indem wir Masken tragen und Abstand halten, müssen die Menschen individuell auch eine Rolle bei der Reduzierung der Emissionen spielen. Sie können für eine Politik eintreten, die die Umstellung auf die Emissionsfreiheit beschleunigt, und sie können die mit dem Umweltschutz verbundenen Kosten senken, indem sie emissionsarme und emissionsfreie Produkte wie Elektroautos und pflanzliche Hamburger kaufen. Dies stärkt den Wettbewerb in diesen Bereichen und senkt letztlich die mit mehr Umweltfreundlichkeit verbundenen höheren Kosten.

CH: Sie argumentieren, dass die Bekämpfung des Klimawandels so wie die Beendigung der Pandemie weitgehend von Wissenschaft und Innovation abhängig sei. Insgesamt sind Sie „optimistisch, dass wir [die von uns benötigten Instrumente] erfinden und einsetzen können und, wenn wir schnell genug handeln, eine Klimakatastrophe verhindern können“. Auf was für Erfahrungen oder Lehren stützt sich diese Überzeugung?

BG: Ich habe aus erster Hand erlebt, wie Investitionen in Forschung und Entwicklung die Welt verändern können. Die von der US-Regierung und amerikanischen Unternehmen unterstützte Forschung hat Mikroprozessoren und das Internet möglich gemacht, und diese haben dann eine phänomenale Menge an unternehmerischer Energie freigesetzt und die PC-Branche hervorgebracht. Auf dieselbe Weise haben die Bemühungen der US-Regierung zur Kartierung des menschlichen Genoms zu Durchbrüchen bei der Behandlung von Krebs und anderen tödlichen Krankheiten geführt.

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Was das Erreichen der Emissionsfreiheit angeht, so bin ich unmittelbar Zeuge, wie fantastische Arbeit geleistet wird. Der von mir zusammen mit einer Reihe von Partnern gegründete private Fonds Breakthrough Energy Ventures hat in mehr als zwei Dutzend Unternehmen investiert, die an kohlenstoffarmen bzw. kohlenstofffreien Methoden zur Herstellung von Zement und Stahl, zur Erzeugung und Speicherung großer Mengen sauberer Energie, zur Zucht von Pflanzen und Tieren, zur weltweiten Beförderung von Menschen und Waren und zur Heizung und Kühlung unserer Gebäude arbeiten. Viele dieser Ideen werden zu nichts führen. Aber die, die sich umsetzen lassen, könnten die Welt verändern.

CH: Sie haben jedoch auch angemerkt: „Innovation ist nicht nur eine Frage der Entwicklung neuer Geräte. Sie ist zugleich eine Frage der Entwicklung neuer Politiken, damit wir diese Innovationen schnellstmöglich demonstrieren und auf den Markt bringen können.“ Die Europäische Union (und inzwischen auch China) haben derartige politische Neuerungen bereits eingeleitet.

In dem Bemühen, eine fehlerhafte Anreizstruktur zu korrigieren, die es versäumt, den mit einer größeren Umweltfreundlichkeit verbundenen höheren Kosten – Sie bezeichnen das als „Green Premiums“ – Rechnung zu tragen, haben viele europäische Länder Mechanismen zur Besteuerung von CO2-Emissionen, von Ressourcenverschwendung und von Umweltverschmutzung eingeführt. Verschiebt eine derartige Politik die Anreizstruktur auf sinnvolle Weise? Würde eine CO2-Grenzabgabe den Fortschritt beschleunigen?

BG: Die Festlegung eines Kohlenstoffpreises ist eine politische Maßnahme, die etwas bewirken wird – als Teil einer Gesamtstrategie, deren Ziel es ist, sowohl das Angebot von Durchbrüchen im Bereich der sauberen Energie als auch die Nachfrage danach zu steigern. Ich erwähne in meinem Buch noch ein breites Spektrum weiterer Ideen. Eine Sache etwa, die die Regierungen tun können, um das Innovationsangebot zu erhöhen, ist eine drastische Erhöhung der Fördermittel für die Erforschung und Entwicklung sauberer Energien. (Ich empfehle eine Verfünffachung.) Auf der Nachfrageseite sind es zusätzlich zum Kohlenstoffpreis Dinge wie Vorgaben dazu, wie viel Strom oder Brennstoffe aus emissionsfreien Quellen stammen müssen.

Genauso nötig wie technologische Innovationen sind politische Neuerungen. Wir haben es in der Vergangenheit erlebt, wie durch das Zusammenwirken von Politik und Technologie große Probleme gelöst wurden. Ein großartiges Beispiel, das ich in meinem Buch dokumentiere, ist die Luftverschmutzung: Der US Clean AirAct hat die Luft sehr erfolgreich von giftigen Gasen befreit. Andere unglaublich effektive politische Lösungen in den USA umfassen die ländliche Elektrifizierung, die Verbesserung der Sicherheit der Energieversorgung und die Auslösung der wirtschaftlichen Erholung nach der Großen Rezession von 2008. Und jetzt müssen wir die politische und technologische Intelligenz der Welt auf die Beseitigung von Emissionen richten. Mein Team bei Breakthrough Energy, dem Netzwerk von Initiativen, das ich zur Beschleunigung der Umstellung auf saubere Energien gegründet habe, arbeitet hart daran, mutige politische Maßnahmen zu konzipieren und zu propagieren, mit denen sich die Weltklimaziele erreichen lassen.

CH: Sie weisen darauf hin, dass die Regierungen oft versucht haben, zur Lösung anderer Probleme verabschiedete Regeln zur Emissionsreduzierung zu nutzen – ein Ansatz, der dem Versuch ähnele, „künstliche Intelligenz mit einem Mainframe-Computer aus den 1960er Jahren zu entwickeln“.

Doch ist die Einführung bedeutender neuer Gesetze schwierig, nicht zuletzt weil sich die etablierten Produzenten höheren Standards und anderen kostspieligen Veränderungen widersetzen. Welche Lösungen oder Erkenntnisse sehen Sie – als jemand, der auf der „regulierten“ Seite der Regulierungsgleichung tätig war –, was die Bewältigung des Problems einer der Realität hinterherhinkenden Politik angeht?

BG: Um dieses Problem zu lösen bedarf es staatlichen Handelns: Wir reden hier davon, das komplette weltweite Energiesystem in nie dagewesenem Tempo umzubauen. Die Investitionen des privaten Sektors allein werden keinen Erfolg bringen ohne ein Marktumfeld, das Innovationen belohnt und einen Wettbewerb sauberer Technologien ermöglicht. Und um dieses Umfeld zu schaffen, bedarf es der Hilfe des Staates. Wir brauchen also staatliche Maßnahmen, und sie müssen zielgerichtet, robust und berechenbar sein.

Dies ist auch der Grund, warum ich von Innovation nicht nur im Bereich der Technologie, sondern auch der Politik und der Märkte rede. Die Politiker müssen kreativ über die richtigen Wege nachdenken, Innovationen im Bereich sauberer Energien anzustoßen, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen und die Umstellung des Energiesystems zu beschleunigen. Mein Team bei BreakthroughEnergy arbeitet mit Regierungen zusammen, um die zum Erreichen der Netto-Emissionsfreiheit nötigen politischen Strategien zu entwickeln und zu propagieren.

CH: Über die politischen Linien hinaus legen Sie nahe, dass die Regierungen bei ihren Investitionen in klimabezogene Forschung und Entwicklung mutiger sein müssen. Welche Rolle sollten die Universitäten hierbei spielen – sowohl was die Forschung als auch was die Vermittlung des zur Gestaltung der Politik erforderlichen Wissens angeht?

BG: Die Universitäten bieten ein Umfeld, das Ideen fördert, und sie entwickeln saubere Technologien. Wissenschaft, Forschung und technologische Entwicklung an den weltweiten Universitäten gehören zu den wichtigsten Faktoren dabei, Netto-Emissionsfreiheit zu erreichen. Natürlich müssen Erfindungen aus dem universitären Bereich herausgetragen werden, um in neue Politiken einzufließen und den Markt mitzugestalten. Einige akademische Einrichtungen unternehmen konzertierte Anstrengungen, um ihren Professoren zu helfen, wirksamer zu kommunizieren, ihre Forschung für die Politiker relevanter zu machen und ihre technologischen Entdeckungen in die Unternehmen und auf die Märkte zu bringen. Diese Aspekte sind von entscheidender Bedeutung, um eine Klimakatastrophe zu vermeiden.

CH: Sie betonen, dass das moralische Argument für den Klimaschutz genauso stark sei wie das wirtschaftliche Argument, weil der Klimawandel überproportional die Ärmsten der Welt trifft. Doch hat Klimaschutz auch Verteilungsauswirkungen. Wie Sie einräumen, könnten selbst die sehr geringen Zusatzkosten für die vollständige Dekarbonisierung des US-Energiesystems für einkommensschwache Haushalte unbezahlbar sein, und die Entwicklungsländer sind, was eine derartige Umstellung angeht, noch in einer deutlich schwächeren Position. Wie lassen sich all diese Herausforderungen überwinden? Hält Ihre Arbeit beim Einsatz anderer Technologien in einkommensschwachen Umfeldern da relevante Lehren parat?

BG: Dies ist ein enorm wichtiges Thema. Die einkommensschwachen Länder und die Länder mittleren Einkommens werden in den kommenden Jahrzehnten angesichts eines Rückgangs der Armut dort mehr Energie verbrauchen. Wir alle sollten uns wünschen, dass das saubere Energie ist – aber diese Länder werden sich nur dazu verpflichten, saubere Energie zu nutzen, wenn sie so preiswert ist wie fossile Brennstoffe heute.

Als Regierungschef oder Wirtschaftsführer eines reichen Landes sollten Sie sich also fragen, was Ihre Regierung oder Ihr Unternehmen tut, um mehr Umweltfreundlichkeit für die ganze Welt – einschließlich der Länder mittleren Einkommens und letztlich auch der einkommensschwachen Länder – bezahlbar zu machen. Die Ausweitung der Investitionen in Forschung und Entwicklung und andere Politiken müssen auf dieses Ziel ausgerichtet sein. Viele Unternehmen, in die ich investiere, arbeiten an Ideen, die in einkommensschwachen Ländern bezahlbar wären.

CH: Sie gehören zu einer Reihe von Wirtschaftsführern, die die wichtige Rolle des Staates bei jedem großen Unterfangen inzwischen öffentlich anerkennen. Selbst unter derartigen Unterfangen ragt der Klimawandel heraus. Wird die Bewältigung der Herausforderung eine größere Rolle des öffentlichen Sektors – im Allgemeinen oder in einem bestimmten Bereich – erfordern, als selbst die staatsfreundlichsten Stimmen sie gewohnt sind?

BG: Die Umstellung auf saubere Energie wird durch die Zusammenarbeit zwischen den Regierungen und dem privaten Sektor vorangetrieben werden – genau wie das bei der PC-Revolution der Fall war.

Dies wird auf eine größere Rolle des Staates hinauslaufen, aber nur, weil diese Rolle bisher relativ klein war. Nehmen wir als Beispiel die Verfünffachung der Fördermittel für die Forschung und Entwicklung im öffentlichen Sektor, über die wir vorhin gesprochen haben. Diese Erhöhung würde die Erforschung sauberer Energien auf eine Stufe mit der medizinischen Forschung in den USA stellen. Und genau wie wir die National Institutes of Health haben, die diese Arbeit überwachen und koordinieren, sollten wir ein nationales Institut für Innovation im Energiebereich (NIEI) gründen, um doppelten Aufwand zu vermeiden und diese Ressourcen optimal zu nutzen. Ein Institut für die Dekarbonisierung des Verkehrssektors wäre für die Arbeit an kohlenstoffarmen Brennstoffen zuständig. Andere Institute hätten ähnliche Zuständigkeiten und Befugnisse in Bezug auf die Stromspeicherung, erneuerbare Energien usw.

Das NIEI wäre zudem für die Koordination mit dem privaten Sektor verantwortlich. Ziel dabei wäre es, dass die nationalen Labors Forschungsergebnisse hervorbringen, die zu bahnbrechenden Produkten führen, welche dann im sehr großen Maßstab auf den Markt kommen. Wir brauchen eine Politik, die die gesamte Innovationspipeline beschleunigt – von der frühen Forschung bis zur großmaßstäblichen Umsetzung.

CH: An einer Stelle Ihres Buches schreiben Sie: „Zusätzlich dazu, dass wir neue Wege finden, um Materialien emissionsfrei herzustellen, können wir auch einfach weniger verbrauchen.“ Manch einer würde argumentieren, dass der Kapitalismus auf Konsum beruht – und je mehr, desto besser. Hängt eine echte Lösung der Klimakrise an einer neuen Kapitalismusvision für das 21. Jahrhundert? Könnte beispielsweise ein neues, stärker qualitätsorientiertes ausgerichtetes Wachstumsverständnis die Grundlage für ein derartiges System bilden?

BG: Ich bin überzeugt, dass die Menschen in den reichen Ländern ihre Emissionen im gewissen Umfang senken können und sollten. (Wie in meinem Buch erwähnt, habe ich selbst eine Reihe von Schritten ergriffen, um meine Emissionen zu verringern und auszugleichen.) Doch der weltweite Energieverbrauch wird sich bedingt durch ein deutliches Wachstum in den Ländern niedrigen und mittleren Einkommens bis 2050 verdoppeln. Dieses Wachstum ist in dem Sinne etwas Gutes, als es bedeutet, dass viele Menschen ein gesünderes, produktiveres Leben führen. Doch müssen wir das auf eine Weise erreichen, die eine Lösung des Klimaproblems nicht erschwert. Aus diesem Grund brauchen wir Innovationen, die die Emissionsvermeidung weltweit für alle ausreichend verbilligen.

CH: Sie schreiben, dass es in Ihrem „Buch darum geht, was erforderlich ist, [um eine Klimakatastrophe zu vermeiden,] und warum ich glaube, dass wir es schaffen können.“ Hand aufs Herz: Glauben Sie, dass wir rechtzeitig die Kurve kriegen werden?

BG: Ja. Wie ich am Schluss des Buches schreibe, bin ich im Grunde Optimist, weil ich gesehen habe, was die Technologie bewirken kann, und weil ich gesehen habe, was Menschen bewirken können. Was wir machen müssen, ist, innerhalb des nächsten Jahrzehnts die richtigen politischen, technologischen und Marktstrukturen zu etablieren, damit der größte Teil der Welt bis 2050 emissionsfrei sein kann. Wir haben keine Zeit zu verschwenden.

Aus dem Englischen von Jan Doolan

https://prosyn.org/LzsJdGfde