Protestors outside electoral college Mark Makela/Stringer

Die amerikanische Öffentlichkeit gegen Trump

PRINCETON – Die Vereinigten Staaten, die angeblich das Leuchtfeuer der weltweiten Demokratie darstellen, praktizieren diese heutzutage auf eine merkwürdige Weise. Eine Präsidentschaftskandidatin gewann fast drei Millionen Stimmen mehr als ihr Gegner, der mit erheblicher Unterstützung einer gegnerischen ausländischen Macht trotzdem zum Gewinner erklärt wurde. Überall anderswo auf der Erde hätte man dies einen Staatsstreich genannt. Hier in den USA nennen wir es Wahlmännergremium.

Es wird noch seltsamer: Als Donald Trump nach seiner Wahl in der üblichen Siegesaura badete, kam eine Meinungsumfrage von Pew Research zwischen dem 30. November und dem 5. Dezember zu dem Ergebnis, dass nur 37% der US-Bürger glauben, er sei für die Präsidentschaft gut geeignet. Nur 31% halten ihn für moralisch, und lediglich 26% sehen in ihm ein gutes Vorbild. 62% hingegen denken, er habe ein schlechtes Urteilsvermögen, und 65% halten ihn für rücksichtslos. Und dieser Mann hat gewonnen?

Vielleicht hat Trump trotz seiner abstoßenden persönlichen Eigenschaften die Wähler mit seinen politischen Kernthesen überzeugt. Als Ökonom lasse ich Trumps schlichtweg beängstigende außenpolitische Ansichten einmal außen vor und beschränke mich auf die wirtschaftspolitischen Themen, die ihn nach Meinung vieler Experten ins Weiße Haus befördert haben. Betrachtet man dazu Trumps eigene Aussagen und seine Auswahl der Kabinettsmitglieder, steht er dabei im Widerspruch zu fast allen anderen. Die Bestandsaufnahme ist ernüchternd:

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