0

Die Notwendigkeit der Ausbildung in Afrika

DUBAI – Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, hat Ausbildung die „mit Abstand beste Investition“ genannt, die Länder tätigen können, um „wohlhabende, gesunde und gerechte Gesellschaften“ aufzubauen. Nirgendwo ist diese Einsicht bedeutsamer als in Afrika, wo ausgiebige Bildungsinvestitionen zu deutlichen Steigerungen bei der Alphabetisierung, den Schulbesuchen und den Studentenzahlen geführt haben. Aber der Kontinent hat immer noch einen langen Weg vor sich.

Laut UNICEF wohnen über der Hälfte der weltweit 58 Millionen Kinder, die keine Schule besuchen, im Afrika südlich der Sahara – darunter hauptsächlich Mädchen und junge Frauen. Über ein Fünftel der Afrikaner im Alter von 15-24 ist arbeitslos, nur ein Drittel hat die Grundschule abgeschlossen, und trotz einiger Fortschritte ist die Rate höherer Schulbildung weiterhin niedrig.

 1972 Hoover Dam

Trump and the End of the West?

As the US president-elect fills his administration, the direction of American policy is coming into focus. Project Syndicate contributors interpret what’s on the horizon.

Angesichts dessen, dass Afrika die Heimat einiger der weltweit am stärksten wachsenden Volkswirtschaften ist, ist die Tatsache, dass dort viele soziale Indikatoren stagnieren oder fallen, besonders enttäuschend. Laut einem aktuellen Bericht der Vereinten Nationen stieg die Anzahl der Afrikaner, die in extremer Armut leben, von 1990 bis 2010 um fast 40% auf 414 Millionen. Vier von fünf Todesfällen bei Kindern unter fünf Jahren finden in Afrika statt.

Aber trotzdem gibt es Grund zur Hoffnung. Für die nächsten paar Jahrzehnte wird erwartet, dass Afrika weltweit die größte Zunahme der Anzahl reicher Menschen aufweisen wird. Und zwei von der Standard Chartered Bank in Auftrag gegebene Studien zeigen, dass die immer mehr werdenden finanziell gut gestellten Bürger die Schulausbildung als oberste Priorität sehen.

In der ersten Studie wird berichtet, dass die meisten der befragten Menschen mit mittlerem Einkommen in Nigeria, Ghana und Kenia planen, in den nächsten fünf Jahren mehr für die Ausbildung ihrer Kinder auszugeben, obwohl bis zu 20% von ihnen selbst nur eine minimale Ausbildung genossen haben. Ein chinesisches Sprichwort sagt, alle Eltern wünschen, dass ihre Söhne Drachen und ihre Töchter Phönixe werden. Bei den afrikanischen Eltern ist das nicht anders.

Die zweite Studie hat festgestellt, dass reiche afrikanische Unternehmenseigner bei ihren wohltätigen Aktivitäten der Ausbildung die höchste Priorität einräumen. Mehr als 90% von ihnen engagieren sich bereits jetzt in ausbildungsbezogener Philanthropie. In Nigeria, wo es 150 Privatflugzeuge gibt, aber nur vier registrierte wohltätige Einrichtungen, hat Aliko Dangote, der reichste Mensch Afrikas, in den letzten beiden Jahren fast 200 Millionen USD für Ausbildungszwecke gespendet.

Auch andere einheimische Philanthropen wie Strive Masiyiwa und Nicky Oppenheimer haben große Spenden getätigt. Diese Wohltäter werden gemeinsam mit Privatunternehmen und dem öffentlichen Sektor von entscheidender Bedeutung dafür sein, dass alle jungen Afrikaner – und nicht nur die aus reichen Familien – Zugang zu hochwertiger Ausbildung erhalten.

Aber neben Geld wird noch mehr benötigt. Es reicht nicht, dass die Menschen Schecks für Wohltätigkeitseinrichtungen schreiben, sondern sie müssen aktiv zum Bau von Schulen, zur Finanzierung von Stipendien und zur Ausbildung von Lehrern beitragen. Glücklicherweise ist auch das gerade im Entstehen begriffen.

Standard Chartered beispielsweise finanziert gemeinsam mit der Varkey-GEMS-Stiftung die Ausbildung von Lehrern in Uganda – in der Überzeugung, dass eine höhere Qualität des Unterrichts zu besseren Lernergebnissen führt. Und die MasterCard-Stiftung gewährt benachteiligten afrikanischen Schülern finanzielle Unterstützung, damit sie weiterführende Schulen und die Universität besuchen können.

All diese Akteure wissen, dass ihnen das stabile und faire Wachstum, dessen Grundlage gut ausgebildete Erwerbstätige sind, ungeahnte Vorteile bringen wird. Aber langfristiger wirtschaftlicher Erfolg ist nicht nur eine Frage der Steigerung der Alphabetisierung und der Einschreiberaten an den Universitäten, sondern erfordert auch ein Ausbildungssystem, das es Arbeitskräften ermöglicht, mit den Anforderungen des sich schnell verändernden Arbeitsmarktes der Region Schritt zu halten.

Dies bedeutet in erster Linie, dass die Menschen praktische Fähigkeiten erlangen, die in den nächsten Jahrzehnten die wirtschaftliche Entwicklung antreiben können. Es ist wichtiger, über eine Vielzahl von Arbeitskräften zu verfügen, die Widgets erstellen, Textilien entwerfen, Gesundheitspolitik betreiben oder Enzyme teilen können, als über massenhaft Historiker oder Literaturabsolventen. Dies bedeutet auch, dass nach dem Beispiel von Singapur oder Deutschland klare Wege beschritten werden müssen, um die Ausbildung mit den Beschäftigungsmöglichkeiten zu verbinden.

Dangote hat beschrieben, wie sich Tausende von Hochschulabsolventen in seiner Fabrik auf eine Handvoll freie Stellen als Lastwagenfahrer beworben haben. Diese Erfahrung hat ihn zur Gründung seiner Dangote-Akademie angeregt, einem Zentrum für Talententwicklung, dessen Ziel darin besteht, in Nigeria und anderen Ländern den Mangel an für die Industrie geeigneten Fähigkeiten zu beheben. Solche Initiativen spielen bei der Ausrichtung der Ausbildung auf wirtschaftliche Entwicklung und höheren Wohlstand eine entscheidende Rolle.

Fake news or real views Learn More

Bis 2040 werden in Afrika 1,1 Milliarden Menschen im Erwerbsalter leben, mehr als jeweils in Indien oder China. Mit der richtigen Ausbildung sowie den passenden Fähigkeiten und Arbeitsmöglichkeiten könnte dieses enorme Potenzial an Arbeitskräften die ganze Region zu schnellem und nachhaltigen Wirtschaftswachstum führen. Andernfalls drohen dem Kontinent steigende Arbeitslosigkeit, wachsende Ungleichheit und sozialer Aufruhr. Und dies führt letztlich zu Konflikten und Chaos.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff