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Warum Trump?

WASHINGTON, DC – Ganz gleich, was aus seiner Kandidatur wird – ob er die Nominierung der Republikanischen Partei erringt oder gar zum Präsidenten der USA gewählt wird –, Amerika und die übrige Welt werden sich noch lange fragen, wie das Phänomen Donald Trump passieren konnte. Sie tun es bereits jetzt.

Zunächst einmal muss man verstehen, dass die Parteien in den USA nichts damit zu tun haben, wer sich um die Präsidentschaft bewirbt. Tatsächlich laufen die Parteien in den USA auf eine Ansammlung von Funktionären hinaus, die das Verfahren für die Auswahl des nominierten Präsidentschaftskandidaten organisieren und sich um Siege der Partei bei den Wahlen im November bemühen.

Die Präsidentschaftskandidaten selbst arbeiten in Wahrheit auf eigene Rechnung. Sie entscheiden eigenständig über ihre Kandidatur, und diese Entscheidung beruht auf ihrem Gefühl (und vielleicht Meinungsumfragen), wie sie abschneiden würden und ob sie das notwendige Geld auftreiben können.

Einige kandidieren schlicht wegen ihres Egos oder aus Gier. Die öffentliche Aufmerksamkeit, die eine Präsidentschaftskandidatur erregt, kann selbst einem gescheiterten Kandidaten einen Buchvertrag, Fernsehauftritte oder eine gut bezahlte Karriere als Gastredner einbringen (oder vielleicht alle drei). Trump kandidierte auf der Basis seiner Berühmtheit. Er ist nicht nur ein bekannter Bauunternehmer mit privatem Vermögen, dessen Name alle möglichen Gebäude ziert, sondern auch der Star einer langjährigen „Reality Show“ – ein Magnet der US-Alltagskultur. Er wusste, dass Amerikas Parteiensystem so nebulös ist, dass er selbst entscheiden konnte, für die Präsidentschaft zu kandidieren, und dass keine Parteienstruktur da war, die ihn stoppen konnte. (Das wird zumindest seine Hoffnung sein, falls er sich im Sommer ohne ausreichend Delegierte zum Parteitag in Cleveland aufmacht, um seine Nominierung festzunageln.)