Paul Lachine

Südafrikas gewinnbarer Kampf gegen AIDS

ERFURT – Im Kampf gegen HIV/AIDS war Südafrika viele Jahre lang das perfekte Beispiel dafür, was man nicht tun sollte. Bis vor kurzem war die Antwort auf die Epidemie, die den Lebensnerv des Landes bedrohte, verhalten und tumb. Doch zeigt der im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte zunehmende Druck – von zivilgesellschaftlichen Gruppen, Medien und aufgeklärteren Politikern – endlich Ergebnisse. Eine Krankheit, die der Gesellschaft und Wirtschaft tiefen Schmerz zugefügt und die Lebenserwartung drastisch verkürzt hat, scheint auf dem Rückzug zu sein.

Doch deutet ein neuer UN-Bericht darauf hin, dass Südafrikas Kampf gegen das Virus noch lange nicht vorbei ist. Das Land hat weltweit das gravierendste HIV-Problem: Ungefähr 5,6 Millionen Bürger – über 10 % der Bevölkerung – leben aktuell mit dem Virus. Jedes Jahr werden etwa 300 000 Neuinfektionen und 270 000 Todesfälle im Zusammenhang mit Aids gemeldet. HIV/AIDS-Patienten neigen ebenfalls zu anderen Infektionen: Schätzungsweise 70 % der Südafrikaner mit AIDS erkranken ebenfalls an Tuberkulose, und man kann davon ausgehen, dass sich die Hälfte der HIV-Virusträger im Laufe ihres Lebens mit Tuberkulose infiziert. Schlimmer noch, bei einem Drittel der Schwangeren – einer äußerst stark AIDS-gefährdeten Bevölkerungsgruppe – wurde das Virus diagnostiziert, das während der Geburt an ihre Kinder weitergegeben werden kann.

Die Grausamkeit der Krankheit und die Geschwindigkeit, mit der sie sich ausbreitete, haben viele Südafrikaner überrascht. Wie in den Industrieländern traten HIV-Infektionen anfangs vor allem bei Blutern, sexuell aktiven schwulen Männern und bei intravenös Drogenabhängigen auf. Doch aus Gründen, die immer noch nicht vollständig geklärt sind, breitete sich das Virus in den 1990er Jahren explosionsartig in der allgemeinen Bevölkerung aus. Die Anzahl der infizierten Südafrikaner (die der Bevölkerung Dänemarks entspricht) übersteigt die der Nachbarländer Mosambik, Lesotho, Botsuana, Namibia, Swasiland und Simbabwe zusammengenommen.

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