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Der Schulden-Superzyklus kommt nach China

CAMBRIDGE, MASS.: Die Finanzkrise von 2008 in den USA löste einen Schulden-Superzyklus aus, der sich 2010 nach Europa ausbreitete und in letzter Zeit viele Länder niedrigen und mittleren Einkommens weltweit heimsucht. Könnten die Schuldenprobleme von Country Garden – dem riesigen chinesischen Immobilien-Entwickler, der sich derzeit mit Milliardenverlusten konfrontiert sieht – die nächste Wende des Zyklus einläuten?

Die Antwort bleibt unklar. Während die chinesischen Behörden bei der Eindämmung von Wirtschaftskrisen eine bemerkenswerte Erfolgsbilanz aufweisen, sind die von der deutlichen Konjunkturabschwächung und hohen Schuldenständen insbesondere der Kommunen und des Immobiliensektors ausgehenden Herausforderungen beispiellos.

Chinas gegenwärtige Probleme lassen sich auf seine massiven Investitionsanreize nach 2008 zurückführen. Ein erheblicher Teil davon heizte den Bauboom bei Immobilien an. Nachdem jahrelang in halsbrecherischem Tempo Häuser und Bürogebäude errichtet wurden, erwirtschaftet der aufgeblähte Immobiliensektor – auf den 23 % vom BIP des Landes entfallen (26 %, wenn man die Importe mitzählt) – inzwischen sinkende Erträge. Dies ist keine große Überraschung, denn Chinas Häuserbestand und Infrastruktur können es mit denen vieler hochentwickelter Volkswirtschaften aufnehmen, während das Pro-Kopf-Einkommen des Landes vergleichsweise niedrig bleibt.

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