The 'mobile library' project in Nigeria STEFAN HEUNIS/AFP/Getty Images

Bildung hat mein Leben gerettet

NEW YORK – Meine Familie wurde ermordet, bevor ich meine Schuhe binden konnte. Als kleiner Junge in Sierra Leone verbrachte ich Jahre, die spielerisch und sorglos hätten sein sollen, im Krieg anderer. Für mich war die Kindheit ein Alptraum, Flucht schien immer unmöglich. Aber als der Krieg im Jahr 2002 offiziell endete, begann ich, Wege zu finden, mich zu erholen. Einer der wichtigsten war eine Chance, die ich mir als wütender, ungebildeter, neunjähriger Soldat nicht vorstellen konnte: die Schule.

Ich bin der lebende Beweis für die transformative Kraft der Bildung. Dank harter Arbeit und viel Glück schaffte ich es, das Gymnasium und die Universität zu absolvieren. Jetzt, in nur wenigen Monaten, werde ich an der Fordham University School of Law meinen Abschluss machen, ein unvorstellbares Ziel für die meisten der ehemaligen Kindersoldaten in meinem Land.

Und doch hat mich während meiner gesamten Ausbildung immer eine Frage geärgert: Warum spielte das Glück eine so entscheidende Rolle? Schließlich soll Bildung ein universelles Menschenrecht sein. Wenn es nur so einfach wäre.

Heute gehen mehr als 260 Millionen Kinder nicht zur Schule, und über 500 Millionen Jungen und Mädchen, die zur Schule gehen, erhalten keine qualitativ hochwertige Ausbildung, wie die Internationale Kommission zur Finanzierung globaler Bildungschancen festgestellt hat. Bis 2030 wird mehr als die Hälfte der Kinder im schulpflichtigen Alter - rund 800 Millionen Kinder - nicht über die notwendigen Grundkenntnisse verfügen, um am Arbeitsplatz der Zukunft erfolgreich zu sein oder einen Arbeitsplatz zu sichern.

Hierfür ist Geld erforderlich. Aber während Bildung die beste Investition ist, die eine Regierung tätigen kann, um eine bessere Zukunft für ihre Menschen zu sichern, ist die Bildungsfinanzierung weltweit viel zu gering. Der Anteil der Bildung an der gesamten internationalen Entwicklungshilfe beträgt tatsächlich nur noch 10 %, gegenüber 13 % vor einem Jahrzehnt. Um dies ins rechte Licht zu rücken, sei gesagt, dass die Entwicklungsländer nur 10 Dollar pro Kind und Jahr an globaler Bildungsförderung erhalten, kaum genug, um die Kosten für ein einziges Lehrbuch zu decken. Im Zeitalter von selbstfahrenden Autos und intelligenten Kühlschränken ist dieser Mangel an Geld einfach inakzeptabel.

In den letzten Jahren habe ich mich für drei globale Bildungsinitiativen eingesetzt - die Internationale Kommission zur Finanzierung globaler Bildungschancen (Education Commission), die Globale Partnerschaft für Bildung (GPE) und den Fond ‚Bildung kann nicht warten‘ (ECW). Ich habe dies mit großem Engagement getan, weil diese Organisationen gemeinsam auf das gleiche Ziel hinarbeiten: Geld zu sammeln, um jedem Kind eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu ermöglichen, überall, damit es nicht mehr nur eine Frage des Glücks ist.

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Eine der besten Möglichkeiten dazu ist die Unterstützung der Internationalen Finanzfazilität für Bildung, einer Initiative, die von der Bildungskommission angeführt wird und die die größten globalen Investitionen in Bildung, die jemals verzeichnet wurden, freisetzen könnte. Junge Menschen auf der ganzen Welt verstehen, was auf dem Spiel steht. Anfang dieses Monats überreichten die Globalen Jugendbotschafter eine Petition, die von mehr als 1,5 Millionen Kindern in rund 80 Ländern unterzeichnet wurde, an den Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, in der die UNO aufgefordert wird, die Finanzfazilität zu unterstützen.

Durch den Einsatz von rund 2 Mrd. USD an Gebergarantien soll die Finanzierungsfazilität den Ländern, die sie am dringendsten benötigen, neue Mittel in Höhe von 10 Mrd. USD zur Verfügung stellen. Wenn das Programm breit angenommen wird, könnte es den Entwicklungsländern ermöglichen, Millionen weiterer Kinder, darunter Flüchtlinge, junge Mädchen und ehemalige Kindersoldaten wie mich, eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu ermöglichen.

Politiker sagen oft, dass junge Menschen die Anführer von morgen sind. Das ist wahr, das sind wir. Aber Plattitüden ohne finanzielle Unterstützung sind bedeutungslos. Einfach ausgedrückt, die Welt muss sich zusammenschließen, um qualitativ hochwertige Bildung für alle zu finanzieren. Die Internationale Finanzfazilität für Bildung - die bereits von der Weltbank, regionalen Entwicklungsbanken, GPE, ECW und zahlreichen UN-Organisationen unterstützt wird - ist eine der besten Möglichkeiten, dies zu erreichen.

Vor 20 Jahren war das Jurastudium ein unerreichbarer Traum für mich. Heute, dank harter Arbeit, weltweiter Unterstützung und viel Glück, ist meine Zukunft besser als je zuvor. Aber meine Geschichte sollte keine Ausnahme sein. Um sicherzustellen, dass andere eine gute Ausbildung erhalten und den Weg gehen können, der sich mir eröffnet hat, müssen wir das Glück aus der Gleichung nehmen.

Aus dem Englischen von Eva Göllner.

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