Blockdenken

Auf der ganzen Welt, insbesondere aber in Europa, wurde der Begriff „Multikulturalismus” zu einer suspekten Vokabel. Man hört Dinge wie: „Ich war immer für Offenheit und Toleranz gegenüber dem Andersartigen, aber jetzt sehe ich, wohin das führt.“ Wohin führt es denn?

Beinahe jede Begründung dafür, warum diese Toleranz in Verruf geriet, hat mit dem Islam zu tun. Selbst simple Anliegen, wie jene von Schulmädchen, während des Unterrichts ein Kopftuch tragen zu dürfen, werden plötzlich mit immenser politischer Bedeutung befrachtet und zu Fragen stilisiert, die in obersten Regierungskreisen zu lösen sind. Die Menschen – und auch ihre gewählten politischen Vertreter – haben oftmals das Gefühl, dass solche scheinbar harmlosen Anliegen in Wahrheit Teil eines unheilvollen „verdeckten Programms“ wären.

Dieses Programm heißt „Islam“, und viele glauben, darin steckt alles Schreckliche, worüber wir jeden Tag in der Zeitung lesen: die Steinigung von Ehebrecherinnen gemäß der Scharia im Norden Nigerias, die Bestrafung von Dieben durch Abhacken der Hände in Saudi Arabien, Ehrenmorde an Frauen in Pakistan (oder sogar in nordenglischen Städten wie Bradford und Manchester), die sich arrangierten Eheschließungen widersetzen sowie die Bereitschaft, Selbstmordattentate zu rechtfertigen.

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