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morsy1_Michael CandeloriNurPhoto via Getty Images_africa youth work Michael Candelori/NurPhoto via Getty Images

Das Missverhältnis zwischen Ausbildung und Arbeit in Afrika

ABIDJAN – Während große Teile der Welt unter einer schnell alternden Bevölkerung leiden, findet in Afrika das Gegenteil statt. Angesichts dessen, dass 60% der Bewohner des Kontinents unter 25 Jahren alt sind, müssen die afrikanischen Politiker nicht nur für genügend hochwertige Arbeitsplätze sorgen, sondern auch dafür, dass junge Menschen die notwendige Ausbildung oder Fortbildung bekommen, um diese Stellen auch besetzen zu können. Und um das zweite Ziel zu erreichen, ist noch viel zu tun.

Missverhältnisse zwischen verfügbaren Jobs und den Fähigkeiten und Qualifikationen der Arbeitnehmer sind in Afrika weit verbreitet. Laut einer aktuellen Studie der Afrikanischen Entwicklungsbank über zehn Länder – Benin, Republik Kongo, Ägypten, Liberia, Madagaskar, Malawi, Tansania, Togo, Uganda und Sambia – sind die meisten jungen Afrikaner für ihre Arbeitsplätze zu schlecht ausgebildet, und fast ein Drittel von ihnen besitzt nicht die nötigen Fähigkeiten. Darüber hinaus sind junge Menschen, die für ihre aktuellen Positionen überqualifiziert sind, zu schlecht bezahlt und aufgrund ihrer begrenzten Karrieremöglichkeiten oder verkümmernden Talente frustriert.

Mangelhaft ausgebildete Jugendliche bekommen zwar relativ dazu mehr Geld, aber dies geht auf Kosten ihrer Arbeitszufriedenheit. Die zu niedrig Qualifizierten leiden unter dem Druck, mit den Anforderungen ihrer Arbeitsplätze Schritt halten zu müssen, und unter der ständigen Angst, sie zu verlieren. So laufen sie Gefahr, „stigmatisiert“ zu werden oder langfristig ihre wirtschaftlichen Umstände oder Aussichten zu verschlechtern. Aus Verzweiflung akzeptieren sie dann unpassende Jobs, anstatt arbeitslos zu bleiben und auf passendere Stellen zu warten, die vielleicht niemals angeboten werden.

Da das Missverhältnis zwischen Arbeitsplätzen und Fähigkeiten und seine negativen Auswirkungen auf Menschen und Volkswirtschaften so weit verbreitet und hartnäckig sind, sollte seine Behebung für die afrikanischen Politiker absolute Priorität haben. Und der erste Schritt dorthin ist, den Zugang zu Ausbildungsmöglichkeiten zu verbessern.

Obwohl viele afrikanische Länder in den letzten Jahren auf diesem Gebiet erhebliche Fortschritte gemacht haben, erhalten immer noch viele junge Menschen, insbesondere Mädchen und Landbewohner, nur eine begrenzte oder gar keine Schulbildung. Außerdem haben 38% der angestellten Jugendlichen aus wirtschaftlichen Gründen niemals eine Schule besucht, und weitere 12% deshalb nicht, weil es in der Nachbarschaft keine gab.

Dies können die Regierungen ändern, indem sie in die Infrastruktur der Ausbildung investieren, also neue Schulen bauen und alte renovieren, die Arbeitsbedingungen der Lehrer verbessern und die schulische Ausrüstung wie Informations- und Computertechnologie modernisieren. Gleichzeitig sollten sie die Grundschulgebühren abschaffen, die Kosten für weiterführende und Hochschulausbildung begrenzen sowie Stipendiatsprogramme finanzieren.

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Auch müssen sie die jungen Menschen beim Übergang von der Ausbildung zur Beschäftigung besser unterstützen. Bis jetzt bekommen nur sehr wenige junge Afrikaner von ihrer Regierung oder den Arbeitsämtern staatliche Beratung zur Jobsuche – ob sie nun bereits beschäftigt sind oder nicht.

Um die Aussichten junger Arbeitnehmer zu verbessern, müssen die Regierungen Informationen zu verfügbaren Arbeitsplätzen verbreiten und Unternehmen Anreize (wie Steuererleichterungen oder Subventionen) dafür geben, dass sie Absolventen Praktika oder Ausbildungen anbieten. Und wo solche Maßnahmen bereits existieren, muss ihre Wirkung dadurch verbessert werden, dass sie bekannter gemacht werden, ihre Reichweite oder Zuständigkeit vergrößert und in die Überwachung und Bewertung ihrer Nützlichkeit investiert wird.

Damit solche Programme funktionieren, brauchen junge Absolventen das Wissen und die Fähigkeiten, die der Arbeitsmarkt verlangt. Afrikanische Arbeitgeber klagen häufig über Schwierigkeiten, Kandidaten mit einer spezialisierten Ausbildung in den so genannten STEM-Disziplinen (Science, Technology, Engineering und Math, also Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik) zu finden, ebenso wie solche mit der Fähigkeit zur Kommunikation und Lösung komplexer Probleme. Und fast 40% der Befragten waren der Meinung, ihre Ausbildung sei für die Arbeitssuche nicht hilfreich.

Durch die Finanzierung der Carnegie Mellon University Africa in Ruanda, die 2011 als Kompetenzzentrum und ostafrikanischer Regionalknotenpunkt für Informations- und Kommunikationstechnik gegründet wurde, hat die Afrikanische Entwicklungsbank eine führende Rolle dabei übernommen, in dieser Branche Möglichkeiten für afrikanische Jugendliche zu schaffen. Diese Institution hat gemeinsam mit der ruandischen Regierung einen Innovationsinkubator gegründet, um Studenten dabei zu helfen, ihre eigenen Unternehmen zu gründen.

Um das Problem des Missverhältnisses zwischen Ausbildung und Arbeit zu lösen, müssen die afrikanischen Regierungen eine nachfrageorientiertere und zukunftsfähigere Ausbildungs- und Fähigkeitsförderung betreiben. Beispielsweise könnten sie Foren für Unternehmen schaffen, die dort regelmäßig ihre Bedürfnisse an Ausbildungs- und Fortbildungsinstitutionen übermitteln, welche dann ihre Lehrpläne entsprechend anpassen können. Dies könnte eine neue Generation attraktiver lokaler Arbeitssuchender schaffen und damit ein massives Hindernis für die Möglichkeit der Unternehmen beseitigen, ihre Produktion auszuweiten und Arbeitsplätze zu schaffen.

Der Überschuss an jugendlicher Bevölkerung in Afrika ist ein großer Vorteil, der in den nächsten Jahrzehnten das Wirtschaftswachstum und die Entwicklung ankurbeln könnte. Sind die jungen Menschen des Kontinents aber unproduktiv, frustriert und verzweifelt, könnte dieser Vorteil zu einer großen Belastung werden, die die wirtschaftlichen Aussichten, den sozialen Fortschritt und sogar die politische Stabilität gefährdet. Was davon in den nächsten Jahren eintritt, hängt von den Maßnahmen ab, die die afrikanischen Regierungen jetzt treffen.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

https://prosyn.org/h5UCoYEde;
  1. skidelsky147_Christoph Soederpicture alliance via Getty Images_policechristmasmarketgermany Christoph Soeder/picture alliance via Getty Images

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    As the number of deaths from terrorism in Western Europe declines, public alarm about terrorist attacks grows. But citizens should stay calm and not give governments the tools they increasingly demand to win the “battle” against terrorism, crime, or any other technically avoidable misfortune that life throws up.

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