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Trumps Chaostheorie

WARSCHAU – In den Wochen seit der Amtseinführung von Donald Trump als US-Präsident ist klar geworden, dass er beabsichtigt, die progressiv-egalitäre Agenda zurückzudrehen, die gemeinhin mit „Political Correctness“ assoziiert wird – nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern weltweit. Stephen Bannon, Trumps Einflüsterer im Weißen Haus und ehemaliger Chef der ultrarechten US-Nachrichtenseite Breitbart News, verfolgt dieses ideologische Projekt schon seit langem und jetzt wissen wir, dass wir das, was er oder Trump sagen, sowohl ernst als auch wörtlich nehmen müssen.

In der Übergangsphase hatte Trump noch für Beruhigung gesorgt, weil er viele unbestreitbar ernstzunehmende (wenn auch außerordentlich gut betuchte Mitglieder) für sein Kabinett nominierte. Doch als Trump und Bannon nach der Amtseinführung anfingen, ihr Projekt ernsthaft in die Tat umzusetzen brach die Hölle los.

Als erstes verschaffte Trump Bannon einen ständigen Sitz und damit Zugang zu allen Sitzungen im Nationalen Sicherheitsrat der USA. Anschließend nominierte er Ted Malloch, einen undurchsichtigen Wirtschaftsprofessor der Universität von Reading in England, für das Amt des US-Botschafters bei der Europäischen Union. Malloch erklärte unlängst, dass er „gegen den Euro wetten“ würde und prophezeite den Zusammenbruch der Währung in den kommenden 18 Monaten. Außerdem hat Trump die Wahrscheinlichkeit eines Handelskrieges mit Mexiko erhöht, und er legt sich bereitwillig mit großen US-Unternehmen wegen seines per Dekret erlassenen Einreiseverbots aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern an.

Trump und Bannon werden versuchen, ein ideologisches Projekt zu verwirklichen, das weitreichende geopolitische und wirtschaftliche Implikationen haben könnte, die nicht nur progressiven Kräften, sondern auch eingefleischten Konservativen wie mir Sorgen bereiten sollten. Um zu verstehen, wie weit sie dabei bereit zu gehen sind, muss man ihre obersten Ziele verstehen.