Die Welt des Schmerzes

BALTIMORE – Schmerzen gehören zum Leben. Untrennbar mit dem Bewusstsein verbunden ist Schmerz ein Erlebnis, das allen Lebewesen mit einem geeigneten Nervensystem widerfährt. Indem Schmerz die Notwendigkeit signalisiert, sich von seiner unmittelbaren Quelle zu entfernen, hat er unseren Vorfahren, deren Leben voller Gefahren war, einen evolutionären Vorteil verschafft. Mit biomedizinischen und technologischen Fortschritten konnte die Evolution allerdings nicht Schritt halten, und so hat sich chronischer Schmerz (Schmerzen, die über eine akute Verletzung oder Erkrankung hinaus bestehen bleiben) zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt.

Die gesellschaftlichen Auswirkungen chronischer Schmerzen lassen sich kaum überschätzen. Angaben des US-amerikanischen Institute of Medicine zufolge leidet jeder Dritte unter chronischen Schmerzen – die Zahl der Betroffenen ist damit höher als bei Herzerkrankungen, Krebs und Diabetes zusammengenommen. Schmerz ist die Hauptursache für Erwerbsunfähigkeit, vor allem Rückenschmerzen bei Personen unter 45 Jahren und Gelenkschmerzen bei älteren Menschen. Schätzungen zufolge verursachen chronische Schmerzen allein in den Vereinigten Staaten Kosten in Höhe von über 600 Milliarden Dollar jährlich.

Schmerz lässt sich anhand einer Vielzahl von Faktoren klassifizieren, wie etwa Dauer oder Ort des Auftretens. Besonders nützlich ist jedoch die Kategorisierung beruhend auf dem Mechanismus. Nozizeptiver Schmerz, der durch eine Verletzung des Körpergewebes entsteht, tritt etwa dann auf, wenn man mit dem Fuß umknickt. Ein Beispiel für chronische nozizeptive Schmerzen ist Arthritis. Neuropathische Schmerzen hingegen entstehen nach einer Schädigung oder Erkrankung im Nervensystem. Zu den häufigsten Ursachen zählen Nervenschädigungen als Folge von Diabetes (diabetische Neuropathie) und anhaltende Schmerzen nach einer Gürtelrose (postherpetische Neuralgie).

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