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Für ein Ende der Diskriminierung bei Lepra

TOKIO – Im Rahmen seiner Anfang Oktober zu Ende gegangenen 15. Sitzung verabschiedete der UN-Menschenrechtsrat eine Resolution, in der die Staaten aufgefordert werden, die Diskriminierung der von Lepra betroffenen Menschen – und deren Familienmitgliedern – zu beenden. Als Goodwill-Botschafter der Weltgesundheitsorganisation für die Ausrottung der Lepra habe ich mich lange für ein derartiges Ergebnis eingesetzt.

Lepra ist eine der ältesten Krankheiten der Welt. Sie hat eine körperliche Dimension, aber auch soziale und psychologische Komponenten. Über lange Zeit gab es gegen diese Krankheit kein Heilmittel. Erst im späten 20. Jahrhundert wurde eine wirksame Chemotherapie entwickelt. Seit Einführung dieser Kombinationstherapie in den frühen 1980er Jahren, konnten ungefähr 16 Millionen Menschen auf der ganzen Welt geheilt werden. In praktisch keinem Land der Welt wird die Lepra noch als Problem der öffentlichen Gesundheit eingestuft.

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Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung hinterlässt die Lepra nicht zwangsläufig Spuren. Nur wenn die Krankheit nicht behandelt wird, führt der Schaden an den peripheren Nerven zu Taubheitsgefühlen und verursacht Geschwürbildungen und Wunden.  Ein unkontrollierter Krankheitsverlauf führt zu Entstellungen und möglicher Dauerinvalidität.

Im Lauf der Geschichte trugen die äußere Erscheinung der Erkrankten und der Mangel an einem wirksamen Heilmittel zu der Angst vor der Krankheit bei – und daher auch zur Stigmatisierung der Betroffenen. Sogar heute bestehen noch falsche Vorstellungen über Lepra. Das Stigma rund um diese Krankheit ist schwer zu überwinden und führt zu diskriminierenden Haltungen und Praktiken, die das Leben von Millionen Menschen weiterhin beeinträchtigen.  

Doch die Fakten über Lepra sind längst nicht so abscheulich. Verursacht wird die Krankheit durch ein Bakterium namens Myobacterium leprae, das erstmals im Jahr 1873 von G.H. Armauer Hansen entdeckt wurde. Lepra ist also eine Infektionskrankheit. Sie ist nicht vererbar und schon gar keine Strafe Gottes. Die Übertragung erfolgt vermutlich über die Luft durch engen und häufigen Kontakt mit einer infizierten, nicht behandelten Person. Allerdings entwickelt man Lepra auch nicht so leicht; die meisten Menschen verfügen über eine körpereigene Immunität und haben nichts zu befürchten.

Es ist auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Lepra in jedem Krankheitsstadium behandelbar ist. Mit der ersten Dosis MDT werden 99,9 Prozent der Krankheitserreger abgetötet, wodurch die betroffene Person nicht mehr infektiös ist. Wird die Behandlung allerdings erst mit Verspätung begonnen, können bei dem Patienten wiederkehrende Geschwüre und Dauerschäden auftreten.

Im letzten Jahr wurden weltweit weniger als 250.000 neue Lepra-Fälle gemeldet, die Hälfte davon in Indien. Auch in Brasilien und Indonesien ist es zu einer signifikanten Anzahl von Neuerkrankungen gekommen. Verglichen allerdings mit der Anzahl von Menschen die an Krankheiten wie HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose erkranken, ist die Zahl der Lepra-Erkrankungen schon beinahe verschwindend gering.  

Inakzeptabel ist allerdings, in welcher Weise an Lepra Erkrankte, Geheilte und sogar deren Familienmitglieder aufgrund von Ängsten, Mythen und überholten Vorstellungen über die Krankheit, die heute völlig heilbar ist, immer noch diskriminiert werden.

Die vom UN-Menschenrechtsrat verabschiedeten Prinzipien und Richtlinien vermitteln einen Eindruck von der Art und dem Ausmaß des Problems. Durch die Bekräftigung der Rechte von Lepra-Erkrankten und deren Familien, enthüllen diese Prinzipien und Richtlinien das Ausmaß der Diskriminierung und deren Formen.

So wird in diesen Prinzipien und Richtlinien beispielsweise festgehalten, dass Menschen mit Lepra, einschließlich ihrer Familienmitglieder, im Hinblick auf Ehe, Familie und Elternschaft die gleichen Rechte haben, wie alle anderen Menschen auch. Lepra darf also kein Grund sein, um jemanden das Recht auf Heirat oder Scheidung vorzuenthalten. Ebenso wenig darf es ein Grund für die Trennung eines Kindes von seinen Eltern sein.

Mit Lepra infizierte Menschen haben wie alle anderen Anspruch auf Rechte hinsichtlich voller Staatsbürgerschaft und dazugehöriger Ausweisdokumente. Sie haben das Recht im Dienste der Bürger zu arbeiten, bei Wahlen zu kandidieren und Ämter auf allen Ebenen der Verwaltung zu übernehmen.  

Ebenso verfügen sie über das Recht, einer Arbeit nachzugehen und im Hinblick auf Personalbeschaffung, Einstellung, Beförderung und Gehalt gleich behandelt zu werden. Weder darf ihnen der Zugang zu Schulen und Trainingsprogrammen verwehrt, noch dürfen sie dieser Einrichtungen auf Grund von Lepra verwiesen werden.

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Mit anderen Worten: Menschen dürfen nicht diskriminiert werden, weil sie Lepra – oder irgendeine andere Krankheit  - haben oder hatten.

Die vom UN-Menschenrechtsrat verabschiedete richtungsweisende Resolution ermutigt Regierungen, die Prinzipien und Richtlinien bei der Formulierung ihrer Politik zu berücksichtigen. Ich hoffe, dass es die Staaten nicht nur dabei belassen werden, sondern dass sie sich diese Richtlinien zu Herzen nehmen und jene hartnäckigen Ungerechtigkeiten für allemal in Angriff nehmen, durch die Menschen mit Lepra viel zu lange an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden.