A protestor stand next to a 50 euro note dummy Panayiotis Tzamaros/NurPhoto/Getty Images

Mit Volldampf ins Chaos: Eine Anmerkung zu Junckers Vorschlägen

MÜNCHEN – Eine Gruppe von Wanderern hat sich verirrt. Man will zur Burg, die man in der Ferne auf dem Hügel sieht, doch führt der Weg erkennbar gar nicht dahin. Darauf reagiert der Führer mit der Aufforderung, den Tritt zu beschleunigen.

Das ist die Situation, in der sich Europa und sein Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker derzeit befinden.  Der Euro hat sich als Irrtum erwiesen, weil er den Süden in eine inflationäre Kreditblase trieb, die dessen Wettbewerbsfähigkeit zerstörte und nach ihrem Platzen riesige Hilfsprogramme seitens der nördlichen Länder verlangte. Diese Programme stabilisieren freilich die falschen relativen Preise, die sich während der Blase entwickelten. Und das Schengen-Abkommen hat die Schleusen für eine neue Völkerwanderung aus den ärmeren Gebieten Asiens und Afrikas in die Sozialstaaten Nordeuropas geöffnet. Junckers Reaktion darauf ist, noch mehr Länder in den Euro und in den Schengenraum zu holen. Er ist der charismatische, jedoch verwirrte Führer der Wandergruppe, die sich unter seiner Leitung immer weiter verläuft.

Es entspricht zwar der Rechtslage, dass (fast) alle EU-Länder irgendwann beim Euro mitmachen, doch will Juncker offenbar die Konvergenzkriterien aufweichen und außerdem noch finanzielle Anreize für den Beitritt gewähren. Das wird zu ähnlich zerstörerischen Überhitzungen führen wie in Südeuropa.

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