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Wie sich Amerikas Sparquote steigern lässt

CAMBRIDGE, MASS. – Die USA brauchen eine neue Politik, um die Sparquote der privaten Haushalte zu steigern. Zwischen 1960 und 1980 betrug die Sparquote der Haushalte zwischen 10% und 13% nach Steuern und lieferte so das Geld für Investitionen in Fabriken und Anlagen. Seitdem jedoch ist das Niveau der Haushaltsersparnisse drastisch gesunken. Die vergleichbare Sparquote des vergangenen Jahrzehnts betrug durchschnittlich lediglich 5,5%, und heute liegt sie bei bloßen 3,4%.

Die Ursache für diesen Rückgang ist unklar. Eine plausible Erklärung ist, dass Haushalte im arbeitsfähigen Alter es nicht länger für erforderlich ansehen, für ihre Rentenjahre vorzusorgen, weil sie größeres Vertrauen in das Rentenprogramm der Sozialversicherung haben. Obwohl diese bereits in den 1930er Jahren ins Leben gerufen wurde, herrschte in den 1960er und 1970er Jahren die weit verbreitete Befürchtung, dass das Programm aufgrund der konservativen Opposition politisch nicht überleben würde. Doch als dem Programm 1982 das Geld auszugehen drohte, wurde es vom damaligen Präsidenten Ronald Reagan, einem Erzkonservativen, gerettet. Von diesem Zeitpunkt an war es nur vernünftig, anzunehmen, dass die Leistungen der Sozialversicherung auch weiterhin zur Verfügung stehen würden. Und dank den Programmen Medicare und Medicaid war es ebenfalls nicht länger nötig, finanzielle Vorsorge für die gesundheitliche Versorgung im Alter zu treffen.

Doch ganz gleich, was die Ursache der aktuellen niedrigen Sparquote der privaten Haushalte ist: Es handelt sich dabei um ein ernstes Problem, das politisches Handeln erfordert. Zum Glück haben sich die Einstellungen im US-Kongress im Laufe der Zeit geändert. In der Frühphase nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich die Leute noch unmittelbar an die Große Depression erinnerten, führte eine keynesianische Rezessionsangst dazu, dass die Politiker einen Rückgang der Sparquote befürworteten. Eine niedrigere Sparquote, so die Annahme, würde bedeuten, dass die Verbraucher mehr Geld ausgäben, und hätte daher eine stärkere Nachfrage und eine höhere Beschäftigung zur Folge. Doch als die Politiker erkannten, dass ein höheres Ersparnisniveau tatsächlich mehr Investitionen und höheres Wachstum bedeutete, verabschiedete der Kongress Gesetze, um zu mehr privatem Sparen zu ermutigen.

Die wichtigste derartige Maßnahme war die Schaffung der sogenannten 401k-Konten, die es den Arbeitgebern erlauben, Zuschüsse zu den Altersvorsorgekonten ihrer Mitarbeiter zu leisten. Diese 401k-Pläne werden von den Arbeitgebern finanziert und verwaltet. Der Kongress schuf außerdem steuerbegünstigte Altersvorsorgekonten, sogenannte IRAs, die es dem Einzelnen erlauben, bis zu 5.500 Dollar jährlich zur Seite zu legen und ihr IRA nach eigenem Gutdünken zu verwalten. Beiträge zu den IRAs sind bis zu einer gewissen Höhe steuerabzugsfähig, und die Renditen aus den IRAs bleiben steuerfrei, bis das Geld abgerufen wird. Sowohl 401k-Konten als auch IRAs bieten daher eine höhere Realrendite nach Steuern, was den Anreiz zum Sparen verstärkt.

Beide Programme regen erfolgreich zum Sparen an, aber die Gesamt-Sparquote bleibt bisher dem kumulativen Effekt zum Trotz sehr niedrig. Ein Grund dafür ist, dass Millionen von Kleinunternehmen wegen der mit der Einrichtung und Verwaltung der Konten verbundenen Kosten keine 401k-Pläne eingerichtet haben. Und die Unternehmen zögern, ihre Mitarbeiter – die wissen, dass sie vor der Verrentung nicht auf das Geld zugreifen können – zu zwingen, ihre Löhne um die Beiträge zu diesen Plänen zu reduzieren.

Der Kongress schlägt nun vor, die Regeln zu ändern, um diese Probleme zu umgehen. Kleinunternehmen sollen sich jetzt mit anderen zusammentun können, um 401k-Pläne einzurichten, und würden auf diese Weise von niedrigeren Verwaltungskosten profitieren. Und die Regierung würde Kleinunternehmen Zuschüsse zur Abdeckung der Einrichtungskosten eines neuen Plans zu gewähren.

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Vielleicht noch wichtiger wäre es, Kleinunternehmen die Möglichkeit zur Einrichtung „automatischer Beteiligungspläne“ einzuräumen. Die Erfahrung zeigt, dass derartige Pläne sehr effektiv dabei sind, die Arbeitnehmer dazu zu bewegen, 401k-Plänen beizutreten und Geld in sie einzuzahlen. Bei diesem Szenario werden die Arbeitnehmer automatisch für einen 401k-Plan angemeldet, wobei gilt, dass sie ihr Geld nach Belieben abheben können – also ohne zu warten, bis sie das Rentenalter erreicht haben.

Der Grund, warum die automatische Anmeldung so wichtig ist, ist folgender: Wird neuen Mitarbeitern die Möglichkeit eingeräumt, 5% ihren Gehalts einem 401k-Plan zuführen zu lassen, entscheidet sich nur ein relativ kleiner Teil von ihnen zur Teilnahme. Sagt man aber denselben Mitarbeitern, dass das Unternehmen sie bei gleichem 5%igen Gehaltsabzug automatisch für einen 401k-Plan anmelden wird und dass sie das Geld jederzeit nach Belieben abheben dürfen, akzeptieren die meisten die Gehaltsminderung und heben das Geld nicht ab.

Es ist unklar, ob dieses Gesetz im laufenden Kongress verabschiedet werden wird. Klar jedoch ist, dass die Sparquote der privaten Haushalte in den USA zu niedrig ist und dass es Gesetzesänderungen dieses Typs bedarf, um sie wieder auf ihr früheres Niveau zu bringen.

Aus dem Englischen von Jan Doolan

http://prosyn.org/Lwfj906/de;

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