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Die Globalisierung hochzujubeln hat Kosten

BRÜSSEL – Auf den Jahrestagungen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Washington, D.C. wird sich die globale Finanzelite mit Sicherheit einem neuerlichen Aufruf zur Umkehrung des Rückzuges von der Globalisierung ausgesetzt sehen. Der stockende Handel, so die Prämisse, müsse ein negativer Trend sein, dem es zu begegnen gelte. Doch diese Annahme ist bestenfalls eine grobe Vereinfachung.

Das Problem besteht in einem mangelnden Verständnis der Auslöser, die die Zunahme des Welthandels während der vergangenen Jahrzehnte bedingt haben. Natürlich hat es Bemühungen gegeben, den aktuellen Abschwung zu verstehen. Der neueste World Economic Outlook des IWF widmet dieser Frage ein komplettes Kapitel.

Doch bisher wurden keine wesentlichen neuen Handelsbarrieren ausgemacht. Stattdessen, so der IWF, sei der Abschwung beim Wachstum des Handels zu drei Vierteln durch eine „allgemeine Schwäche der Wirtschaftsaktivität“ bedingt, insbesondere der Investitionstätigkeit. Der Fonds macht zudem geltend, dass „das sich verlangsamende Tempo der Handelsliberalisierung und die jüngste leichte Zunahme des Protektionismus“ eine Rolle gespielt hätten, auch wenn diese nicht quantifizierbar sei.

Selbst ohne eine klare Erkenntnis, was die aktuellen Trends antreibt, fordert der IWF Maßnahmen, um den „Tugendkreis aus Handel und Wachstum“ neu zu beleben. Das Vertrauen in den Handel ist eindeutig sehr stark ausgeprägt.