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Ist eine Regulierung der Cyber-Kriegsführung möglich?

CAMBRIDGE – Ob ein Konflikt außer Kontrolle gerät oder nicht hängt von der Fähigkeit ab, das Ausmaß von Feindseligkeiten zu verstehen und darüber zu kommunizieren. Leider besteht, was die Cyber-Kriegsführung angeht, keine Einigkeit über das Ausmaß oder darüber, wie es mit herkömmlichen militärischen Maßnahmen in Beziehung steht. Was einige als zulässig anerkannten Wettstreit oder Konflikt ansehen, sieht für die Gegenseite womöglich anders aus.

Vor einem Jahrzehnt nutzten die Vereinigten Staaten Cyber-Sabotage statt Bomben, um iranische Atomanreicherungsanlagen zu zerstören. Der Iran reagierte mit Cyber-Anschlägen, die 30.000 saudische Aramco-Computer zerstörten und das Geschäft amerikanischer Banken störten. In diesem Sommer schoss der Iran nach der Verhängung lähmender Sanktionen durch die Regierung von US-Präsident Donald Trump eine unbemannte amerikanische Überwachungsdrohne ab. Es gab keine menschlichen Opfer. Trump plante zunächst als Reaktion einen Raketenschlag, stornierte diesen jedoch im letzten Moment zugunsten eines Cyber-Angriffs, der eine vom iranischen Militär genutzte wichtige Datenbank zur Zielansprache von Öltankern zerstörte. Auch hier gab es Kosten, aber keine menschlichen Opfer. Der Iran führte dann direkt oder indirekt einen komplizierten Drohnen- und Raketenangriff gegen zwei wichtige saudische Ölanlagen durch. Obwohl es anscheinend keine menschlichen Opfer oder nur Leichtverwundete gab, stellte der Angriff eine deutliche Erhöhung von Kosten und Risiken dar.

Das Problem der Wahrnehmungen und der Kontrolle einer Eskalation ist nicht neu. Im August 1914 erwarteten die wichtigen europäischen Mächte einen kurzen, harten „dritten Balkankrieg“. Man ging davon aus, dass die Truppen zu Weihnachten wieder zu Hause sein würden. Nach der Ermordung des österreichischen Erzherzogs im Juni wollte Österreich-Ungarn Serbien eine blutige Nase verpassen, und Deutschland erteilte seinem österreichischen Verbündeten eine Blankovollmacht, um dessen Demütigung zu vermeiden. Doch als der deutsche Kaiser Ende Juli aus dem Urlaub zurückkam und entdeckte, wie Österreich diese Vollmacht genutzt hatte, kamen seine Deeskalationsbemühungen zu spät. Trotzdem erwartete er, Erfolg zu haben, und hätte es fast geschafft.

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