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Amerikas anstehende Schuldenentscheidung

BOGOTÁ – Sollte die US-Regierung die derzeit ultraniedrigen Kreditkosten durch Ausgabe längerfristiger Schuldverschreibungen für sich festschreiben? Es ist eine schwierige Entscheidung, doch angesichts schon jetzt hoher Gesamtschuldenstände (gar nicht zu reden von den ungedeckten Verpflichtungen aus der Renten- und der Krankenversicherung, die beide noch steigen dürften), ist jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt dafür.

Bisher haben das US-Finanzministerium und das Exekutivdirektorium der Federal Reserve zusammen darauf hingearbeitet, die langfristige Staatsverschuldung niedrig zu halten, um die Zinsbelastung des privaten Sektors zu verringern. Tatsächlich beträgt die durchschnittliche Laufzeit von US-Anleihen (unter Einbeziehung der Bilanz der Fed) derzeit nicht einmal drei Jahre. Sie liegt damit deutlich unter der der meisten europäischen Länder, selbst wenn man die enormen Programme zur quantitativen Lockerung der europäischen Notenbanken mit einbezieht.

Der bisherige Versuch, durch Aufnahme kurzfristigerer Kredite die Wirtschaft anzukurbeln, war sinnvoll. Und dadurch, dass der Zinssatz für 30-jährige US-Anleihen rund 200 Basispunkte über dem für Anleihen mit einjähriger Laufzeit liegt, hat die Aufnahme kurzfristiger Kredite der Regierung zudem Geld gespart.

Doch sollte die Regierung nicht wie eine Bank oder ein Hedgefonds agieren und durch Aufnahme großer Mengen an kurzfristigen Schuldverschreibungen langfristige Projekte finanzieren. Das ist einfach zu riskant. Angesichts der Tatsache, dass die US-Staatsverschuldung schon jetzt bei 82% vom Volkseinkommen liegt, könnten die potenziellen Kosten eines schnellen Zinsanstiegs enorm sein.