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Zur Dringlichkeit der Bildung für Flüchtlinge

GENF – Die weltweite Flüchtlingskrise wird häufig in Zahlen gemessen. Doch für junge Flüchtlinge, die keine Bildung erhalten, lässt sich die Krise auch mittels einer unwiederbringlichen Messgröße nachvollziehen: dem Zeitverlauf. Von den 17,2 Millionen Menschen, deren Schutz in die Zuständigkeit des UN-Flüchtlingskommissariats (der Flüchtlingsbehörde der Vereinten Nationen) fällt, sind rund die Hälfte unter 18 Jahren. Das bedeutet, dass einer kompletten Generation junger Leute, denen bereits ihre Kindheit geraubt wurde, jetzt auch noch ihre Zukunft genommen wird.

Kinder im Schulalter bilden einen großen Teil der weltweiten Flüchtlingsbevölkerung. Ende 2016 gab es schätzungsweise 11,6 Millionen Flüchtlinge, die eine „langandauernde Flüchtlingssituation“ erleben: Sie haben ihre Heimat vor mehr als fünf Jahren verlassen und haben keine „unmittelbare Aussicht“ auf Rückkehr; 4,1 Millionen davon sind seit mindestens 20 Jahren Flüchtlinge – das ist länger als die Schulzeit einer durchschnittlichen Person.

Die Argumente dafür, Flüchtlingen eine Bildung zu geben, sind klar. Die Kindheit sollte dazu dienen, lesen, schreiben, zählen, nachfragen, bewerten, diskutieren, rechnen, sich einfühlen und Ziele setzen zu lernen. Diese Fertigkeiten sind besonders für Menschen wichtig, die ihre Länder irgendwann, wenn sie nach Hause zurückkehren, wieder aufbauen müssen. Zudem bietet Bildung Flüchtlingskindern einen sicheren Raum inmitten der chaotischen Flüchtlingssituation. Und sie kann sogar dazu beitragen, die friedliche und nachhaltige Entwicklung der Gemeinschaften sicherzustellen, die Flüchtlingsfamilien ihre Türen geöffnet haben.

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