Das Universum in einem Sandkorn

Als der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider in der Schweiz eingeschaltet und kurz danach aufgrund eines technischen Problems wieder ausgeschaltet wurde, gab es mannigfaltige Presseberichte darüber. Die Betriebsaufnahme der Beschleunigeranlage war in der Wissenschaftswelt lange erwartet worden; das Ereignis konnte eine der erfolgreichsten Theorien darüber, wie das Universum strukturiert ist, bestätigen oder widerlegen. Die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wurde, ist für wissenschaftliche Nachrichten selten, was vielleicht an den Befürchtungen lag, dass etwas von himmlischer Gefährlichkeit in unserem Hinterhof zusammengebraut wurde.

Die vorausgehende Berichterstattung wurde von einem Hype über die potenziellen Risiken begleitet. Als der Test dann nicht wie geplant zu verlaufen schien, war es daher nur natürlich, sich zu fragen, ob das Raum-Zeit-Gefüge beschädigt worden war. Einige der anfänglichen Gerüchte darüber, was passieren könnte, waren extrem. In einem wurde spekuliert, dass diese neuen hohen Energien, kombiniert mit der speziellen Methode, mit der die Partikel aufgebrochen werden sollten, uns auslöschen würden. In einem anderen Szenario war die Rede davon, dass das Labor unkontrollierbare, winzige schwarze Löcher erzeugen könnte. Ein weiteres besagte, die Schaffung eines „Strangelets“ würde Kernkraft in ungekannter und fürchterlicher Stärke freisetzen.

Es gibt mögliche Risiken, wenn man an Elementarteilchen herumbastelt, doch war die Schließung in diesem Fall durch ein weltliches Gasleck bedingt. Was den Test für Wissenschaftler viel interessanter macht als für Journalisten, bleibt unverändert und wird weiterhin spannend sein, wenn CERN den Beschleuniger wieder anwirft.

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