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Die neue merkantilistische Herausforderung

CAMBRIDGE – Die Wirtschaftsgeschichte stellt sich primär als Wettstreit zweier gegensätzlicher Lehrmeinungen dar, des „Liberalismus“ und des „Merkantilismus“. Der Wirtschaftsliberalismus mit seiner Betonung des privaten Unternehmertums und der Freiheit der Märkte ist heute die vorherrschende Doktrin. Doch sein intellektueller Sieg hat uns für die große Attraktivität – und häufigen Erfolge – merkantilistischer Praktiken blind gemacht. Tatsächlich ist der Merkantilismus nach wie vor gesund und munter, und sein anhaltender Konflikt mit dem Liberalismus dürfte eine wichtige Kraft bei der Gestaltung der Zukunft der Weltwirtschaft sein.

Der Merkantilismus wird heute in der Regel als archaische und eklatant fehlgeleitete Sammlung wirtschaftspolitischer Ideen verworfen. Und in ihrer Blütezeit verteidigten die Merkantilisten eindeutig einige sehr merkwürdige Vorstellungen, vor allem die Ansicht, dass sich die nationale Politik von der Anhäufung von Edelmetallen – Gold und Silber – leiten lassen sollte.

Adam Smiths Abhandlung Der Wohlstand der Nationen aus dem Jahre 1776 räumte auf meisterhafte Art mit vielen dieser Vorstellungen auf. Insbesondere zeigte Smith, dass man Geld nicht mit Wohlstand verwechseln sollte. „Der Wohlstand eines Landes“, so Smith, „besteht nicht allein in seinem Gold und Silber, sondern seinen Ländereien, Häusern und Verbrauchsgütern unterschiedlichster Art.“

Korrekter freilich ist es, den Merkantilismus als eine andersartige Methode zur Ordnung der Beziehung zwischen Staat und Wirtschaft zu betrachten – ein Leitbild, das heute nicht weniger relevant ist als im 18. Jahrhundert. Merkantilistische Theoretiker wie Thomas Mun waren tatsächlich ausgeprägte Verfechter des Kapitalismus; sie propagierten lediglich ein anderes Modell als den Liberalismus.