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Die wirkliche Blockade auf Kuba

Raúl Rivero Castañeda ist Dichter und führender kubanischer Dissident. Diese Woche wurde er wegen einer von ihm organisierten Petition zur Abhaltung freier Wahlen zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. In dem vorliegenden, bereits Monate vor seiner Verhaftung verfassten Artikel beschreibt Rivero Castañeda seinen Widerstand gegen das Castro-Regime.

HAVANNA: Einem Mann, der gerade mit seinem chinesischen Fahrrad der Marke Forever unter der karibischen Sonne fährt, nachdem eine einzige Scheibe Brot gegessen und diese mit einem sehr schlechten Kaffee runtergespült hat, fällt es eher schwer über das amerikanische Handelsembargo gegen Kuba nachzudenken.

 1972 Hoover Dam

Trump and the End of the West?

As the US president-elect fills his administration, the direction of American policy is coming into focus. Project Syndicate contributors interpret what’s on the horizon.

Ein solcher Mann hat Mittagessen im Kopf, für ihn und seine Familie. Abstrakte Gedanken sind für ihn Luxus: Über ein Thema nachzudenken, dass auf den ersten Blick wie von einem anderen Stern zu stammen scheint, erfordert Zeit, Information und einen Anlass.

Die Wahrheit ist, dass den normalen Kubanern viel mehr ein persönliches Embargo zu schaffen macht, eines, das sie zu mundtoten Schachfiguren mit verbunden Augen gemacht hat. Die Debatte um das amerikanische Embargo rückt verglichen mit der verqueren Situation, die sie auf Kuba selbst umgibt in den Hintergrund - verbannt in eine entlege Ecke des Gehirns. Die wirkliche Blockade in diesem Land, die, die das tägliche Leben der Menschen beeinflusst, ist das interne Herrschaftssystem. Es ist dieser Fallstrick, der dafür sorgt, dass Kuba bewegungsunfähig verharrt und weiterhin arm bleibt.

Die alte Pattsituation zwischen beiden Ländern ist für die normalen Menschen irrelevant; sie wünschen sich eine engere Beziehung zu den USA, wo viele ihrer Verwandten und Freunde leben. Kein politisches Vorgehen hat jedoch den Weg für einen solchen Ausgang geebnet. Somit ist das Patt zwischen beiden Ländern wirklich nur für Kubaner von Bedeutung, die die Zeit haben über abgehobene politische Fragen zu sinnieren.

Diese Leute lesen Zeitungen, die in den Büros der Kommunistischen Partei fabriziert werden; haben nur zwei Fernsehsender zur Auswahl, die beide das gleiche Strickmuster haben und lauschen Radios, die die immer gleichen abgedroschenen Reden übertragen. Auf Kuba gibt es keinen freien Informationsfluss und seine Bürger bekommen ausschließlich reine Propaganda vorgesetzt. Zwar steht die Öffentlichkeit den Regierungserklärungen misstrauisch gegenüber, hat jedoch nicht die Möglichkeiten gehört zu werden. Ihr Stillschweigen billigt also scheinbar die Situation.

In der realen Welt wollen die Kubaner die Ungleichheiten beseitigen, die zwischen den Menschen und denen, die sie führen existieren, bevor sie sich mit den Problemen zwischen ihrem Land und den USA auseinandersetzen. Die normalen Bürger wollen ein bescheidenes Geschäft besitzen, Zugang zur freien Presse haben, politische Parteien gründen, die Gesellschaft neu erschaffen und Gefangene befreien.

Die Behörden stellen sich gern als Opfer eines mächtigen Giganten dar, der darauf versessen ist eine Nation und das geschlossen hinter ihr stehende Volk zu unterdrücken, aber bei näherer Betrachtung ist das Antlitz eines solchen Opfers nirgends zu finden. Die Nation ist keine geschlossene Gemeinschaft von Staatsbürgern, sondern eher ein mittelmäßiges Land, das durch die überall verbreitete Knebelung seines Volkes erschaffen wurde. Man kann die verschieden Arten, wie die Behörden viele ihrer Bürger genau so schlecht behandeln wie sie es von Kubas Feinden behaupten, systematisch katalogisieren.

Diese Funktionäre sollten das Geld, das sie darauf verwenden andere Länder vom großzügigen Wesen der öffentlichen Gesundheits- und Bildungssysteme Kubas zu überzeugen dafür benutzen, den Bedürfnissen der kubanischen Menschen nachzukommen. Tatsache ist, dass die medizinische Versorgung zunehmend unsicher wird und das Bildungswesen über den Status eines öffentlichen Systems zur politischen Indoktrination noch nicht hinaus gekommen ist. In Wirklichkeit können die Eltern keinen Einfluss darauf nehmen wie die Schulen ihre Kinder prägen. Wenn die Regierung tatsächlich soziale Themen anspricht, resultieren aus ihren Bemühungen lediglich abhängige Personen, die sich dem Willen einer selbst gewählten Führungsgruppe unterwerfen, die von Zeit zu Zeit in manipulierten Wahlen "gewählt" wird.

Die Verpflichtungen der Führungsriege gegenüber der Souveränität der Masse klingen falsch. Das Gerede über den freien Willen der Kubaner ist in Wirklichkeit ein willkürlicher und verbrecherischer Akt gegen das Volk. Innerhalb der vergangenen Wochen wurden 36 Menschenrechtler, Mitglieder der alternativen Presse und Vertreter der aufkeimenden Bürgerrechtsbewegung inhaftiert und werden möglicherweise verurteilt werden.

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Wir sind uns darüber einig, dass menschliche Wesen nicht dazu verpflichtet sind ihr Leben gemäß eines Herren oder einer Philosophie zu leben; dass Individuen frei leben müssen und dabei das Recht auf eine großzügige und freudvolle Existenz mit ihrer Familie und Freunden genießen sollen. In Kuba aber lebt man inmitten einer Propagandamaschinerie, die das Leben täglich infiltriert; die Wert legt auf ein Klima allgemeinen Frohsinns; die die Freuden eines kastrierten Pferdes zur Schau stellt, mit ihrer Fähigkeit die Unschuldigen trunken zu machen, die Ignoranten zu inspirieren und die Frustrierten zu trösten.

Letztendlich werden die Kubaner dazu bestimmt, sich an rigide und unmögliche Konstrukte zu klammern. Das Ergebnis ist, dass Hunderttausende junger Erwachsener sich auf den Weg in eine Zukunft begeben, der von risikoreichen Symbolen und ungeheuren Herausforderungen übersät ist. Spürend, dass der Zukunft ihres Landes die Tür zugeschlagen wurde sind sie lediglich fleißig damit beschäftigt an ihrem individuellen Wohlergehen zu arbeiten.