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Der Kampf um den Liberalismus

MADRID – Nach einigen konfusen Monaten, in denen die junge Präsidentschaft Donald Trumps die gesamte Nachkriegsordnung in Frage stellte, scheint der geopolitische Status quo wiederhergestellt zu sein. Dennoch ist jetzt keine Zeit für Selbstzufriedenheit: die liberale Weltordnung ist nach wie vor alles andere als sicher.

Jüngste Entwicklungen sind allerdings ermutigend. Trumps Chefstratege, Steve Bannon, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Breitbart News, scheint an Einfluss zu verlieren und sein Abgang könnte sogar bevorstehen. Der einst marginalisierte Außenminister Rex Tillerson ist mittlerweile Trumps engstes Kabinettsmitglied. Der angesehene H.R. McMaster trat als Nationaler Sicherheitsberater an diese Stelle des fragwürdigen Michael Flynn. Es sieht also so aus, als hätten die Erwachsenen wieder das Ruder übernommen.

Diese Veränderungen finden auch in der Politik ihren Niederschlag. Die Trump-Administration hat möglicherweise erkannt, dass sie keine völlig weltabgewandte Außenpolitik verfolgen kann. Ihr demonstrativer (allerdings nicht zerstörerischer) Raketeneinsatz als Antwort auf die schändliche Chemiewaffenattacke des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gegen sein eigenes Volk war eine Entscheidung, die direkt aus dem Instrumentarium des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton übernommen wurde.

Überdies ist Trumps aggressive Rhetorik gegenüber China einem kooperativeren Ansatz gewichen, der größtenteils der gemeinsamen Sorge hinsichtlich Nordkorea geschuldet ist. Russland wurde (zumindest öffentlich) wieder seine traditionelle Rolle als Dorn im Auge des Westens zugewiesen, während die NATO, das Sicherheitsurgestein des westlichen Liberalismus, bemerkenswert rasch wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist.