JFKs Frauenproblem

NEW YORK – Der 50. Jahrestag des Attentats auf John F. Kennedy bietet Gelegenheit, die Bewusstseinsveränderungen in den Vereinigten Staaten im letzten halben Jahrhundert seit seinem Tod zu betrachten. Obwohl bereits in das Pantheon amerikanischer Helden aufgenommen, zeigen jüngste Daten, dass die Bewunderung für Kennedy als Führungsfigur vor allem bei Frauen nachgelassen hat. Warum?

In gewisser Weise war Kennedys Vermächtnis gegenüber Frauen ebenso fortschrittlich wie sein Vermächtnis in den Bereichen ethnische Herkunft und Armut. Ein wahrhaft visionärer Schritt war, die bekennende Feministin Eleanor Roosevelt als erste Vorsitzende der Kommission des Präsidenten zur Stellung der Frauen zu berufen. Diese Frauenkommission, der sowohl männliche als auch weibliche Führungspersonen aus der Politik angehörten, war keine reine Kosmetik, sondern der ernsthafte Versuch einer Bewertung, mit welchen Vorurteilen Frauen am Arbeitsplatz konfrontiert waren, welche gesetzlichen Schutzbestimmungen es für sie geben sollte und was getan werden konnte, um die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts zu beenden – ein Konzept, für das man noch nicht einmal über Vokabular verfügte.

Als Kennedy diese Frauenkommission einberief, konnten Frauen in Amerika tatsächlich noch als Geschworene ausgeschlossen werden, sie hatten keinen Zugang zu oralen Verhütungsmitteln und Abtreibung und konnten nicht einmal in eigenem Namen einen Kredit aufnehmen. Im gleichen Jahr als Kennedy getötet wurde, veröffentliche Betty Friedan ihr Buch Der Weiblichkeitswahn und entfachte damit eine hitzige Debatte über „das Problem ohne Namen“ – die Unzufriedenheit der Frauen mit ihren eingeschränkten Rollen. Der einem Monat vor dem Attentat auf Kennedy veröffentlichte Bericht der Frauenkommission hätte einen Wendepunkt darstellen können, wäre Kennedy nicht gestorben.

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