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JFKs Frauenproblem

NEW YORK – Der 50. Jahrestag des Attentats auf John F. Kennedy bietet Gelegenheit, die Bewusstseinsveränderungen in den Vereinigten Staaten im letzten halben Jahrhundert seit seinem Tod zu betrachten. Obwohl bereits in das Pantheon amerikanischer Helden aufgenommen, zeigen jüngste Daten, dass die Bewunderung für Kennedy als Führungsfigur vor allem bei Frauen nachgelassen hat. Warum?

In gewisser Weise war Kennedys Vermächtnis gegenüber Frauen ebenso fortschrittlich wie sein Vermächtnis in den Bereichen ethnische Herkunft und Armut. Ein wahrhaft visionärer Schritt war, die bekennende Feministin Eleanor Roosevelt als erste Vorsitzende der Kommission des Präsidenten zur Stellung der Frauen zu berufen. Diese Frauenkommission, der sowohl männliche als auch weibliche Führungspersonen aus der Politik angehörten, war keine reine Kosmetik, sondern der ernsthafte Versuch einer Bewertung, mit welchen Vorurteilen Frauen am Arbeitsplatz konfrontiert waren, welche gesetzlichen Schutzbestimmungen es für sie geben sollte und was getan werden konnte, um die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts zu beenden – ein Konzept, für das man noch nicht einmal über Vokabular verfügte.

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Als Kennedy diese Frauenkommission einberief, konnten Frauen in Amerika tatsächlich noch als Geschworene ausgeschlossen werden, sie hatten keinen Zugang zu oralen Verhütungsmitteln und Abtreibung und konnten nicht einmal in eigenem Namen einen Kredit aufnehmen. Im gleichen Jahr als Kennedy getötet wurde, veröffentliche Betty Friedan ihr Buch Der Weiblichkeitswahn und entfachte damit eine hitzige Debatte über „das Problem ohne Namen“ – die Unzufriedenheit der Frauen mit ihren eingeschränkten Rollen. Der einem Monat vor dem Attentat auf Kennedy veröffentlichte Bericht der Frauenkommission hätte einen Wendepunkt darstellen können, wäre Kennedy nicht gestorben.

Doch trotz seiner fortschrittlichen Haltung blieb Kennedys Ruf von der allgemeinen Neubewertung der 1960er Jahre durch die amerikanischen Frauen nicht unberührt. Einst Symbol des Heldentums, des persönlichen Charmes und des Strebens nach Überwindung lange bestehender Ungerechtigkeiten, wurde Kennedys Reputation durch Geschichten und Berichte über die zahlreichen Frauen in den Schlafzimmern des Weißen Hauses (oder in Hotelzimmern, wenn der Präsident auf Reisen war) schwer beschädigt.

Tatsächlich haben die Memoiren mancher dieser Frauen Kennedys Nimbus angekratzt, wenn nicht gar zerstört – wie etwa die Erinnerungen von Mimi Alfor, einer Praktikantin im Pressebüro des Weißen Hauses, die 19 Jahre alt war, als sie ihre 18 Monate währende Beziehung mit dem Präsidenten begann. Die gleiche Wirkung hatten auch die Schilderungen seiner Affären mit Marilyn Monroe und Marlene Dietrich. Andere Frauen, wie etwa seine selbsternannte Geliebte Judith Campbell, sollen auch sexuelle Beziehungen mit Mafia-Angehörigen gehabt haben.

Die Anspruchshaltung, auf die sich das unverantwortliche Verhalten der Männer stützte, hat sich seither abgeschwächt – und dieser Prozess findet wie so vieles in der amerikanischen Kultur seinen Niederschlag im Fernsehen. Beliebte Serien wie „Good Wife” zeigen den Schmerz und das Leiden der Ehepartnerinnen von Politikern, von denen man erwartet, angesichts der Doppelmoral nicht den Mut zu verlieren und damenhaft Haltung zu bewahren. In ähnlicher Weise wird auch in Serien wie „Mad Men”, in denen flotte Werbemanager Frauen wie Mittagscocktails konsumieren, die Leere und Destruktivität der sexuellen Vorrechte der Männer in den frühen 1960er Jahren ausgelotet.

Diese Neubewertung sexueller Privilegien und der Unverantwortlichkeit der Männer in den 1960er Jahren fand auch in anderen Bereichen statt – und verstärkte Kennedys Imagewandel vom charmanten Playboy zu einem gefährlich triebhaften Raubtier. In den USA ist gerade die autorisierte Biographie des Schriftstellers Norman Mailer erschienen – der einst, als der Feminismus zu reüssieren begann, den berüchtigten Ausspruch tätigte, dass „alle Frauen in Käfige gesperrt“ werden sollten. Mailers pausenlose Frauengeschichten (er war auch sechs Mal verheiratet) wird man ebenfalls einer ernsthaften kritischen Neubewertung unterziehen.

Der aufschlussreichste Aspekt ist möglicherweise, dass das Ansehen von Kennedys Ehefrau gestiegen ist, während seine Ausstrahlung auf Frauen verblasst. Jacqueline Kennedys würdevolles und bedeutsames letztes Jahrzehnt als versierte Buchherausgeberin – als Symbol einer arbeitenden, ja sogar feministischen Frau – verdrängte ihr Image als puppenhafte Dame des Hauses, die vor laufenden Fernsehkameras das Weiße Haus vorstellte oder als Archetypus einer geschockten, trauernden Witwe hinter einem schwarzen Schleier. Ihre im März 1964 bewusst für die Nachwelt aufgezeichneten und im Jahr 2011 veröffentlichten Gespräche mit dem Historiker Arthur Schlesinger tragen noch zusätzlich zu ihrer posthumen Geltung bei.

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Jacqueline Kennedys steigendes Ansehen und das zunehmend getrübte Bild John F. Kennedys -zumindest hinsichtlich seines Privatlebens und der Art, wie er seine persönliche Anziehungskraft nützte - spiegeln Amerikas soziale Revolution wider. Die Veränderungen in der amerikanischen Wahrnehmung von Symbolen wie den Kennedys unterstreichen diesen Wandel – zum Guten, würde ich sagen – der eigenen Bedürfnisse, Werte und Wünsche hinsichtlich der Beziehung zwischen den Geschlechtern. Die Schaffung der Frauenkommission durch JFK deutet darauf hin, dass er über ein Gespür für Kommendes verfügte, auch wenn er zutiefst ein Mann seiner Zeit blieb.

Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier