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Ist der Populismus durch Wachstum zu überwinden?

CAMBRIDGE – Nach neun trostlosen Jahren, in denen sie ihre BIP-Prognosen immer wieder absenken mussten, schütteln die gesamtwirtschaftlichen Entscheidungsträger weltweit nun ungläubig die Köpfe: Trotz einer populismusbedingten Welle politischer Tumulte sieht es aus, als würde das weltweite Wachstum 2017 tatsächlich die Erwartungen übertreffen.

Und das ist nicht nur amerikanischer Exzeptionalismus. Obwohl das Wachstum in den USA sehr ausgeprägt ist, übertrifft Europa die Erwartungen noch stärker. Es gibt sogar gute Nachrichten für die Schwellenmärkte, die sich noch immer auf Zinserhöhungen der US Federal Reserve vorbereiten, aber ihre Anpassungsmaßnahmen nun vor einem besseren Hintergrund einleiten können.

Die Story im weiteren Sinne, die der globalen Reflation zugrunde liegt, ist nicht schwer zu verstehen. Tiefe, systemische Finanzkrisen führen zu tiefen, langanhaltenden Rezessionen. Wie Carmen Reinhart und ich schon vor einem Jahrzehnt vorhergesagt haben (und wie zahlreiche andere Wissenschaftler unter Verwendung unserer Daten inzwischen bestätigt haben), sind Zeiträume von 6-8 Jahren sehr schwachen Wachstums unter solchen Umständen nichts Ungewöhnliches. Es stimmt, dass noch immer viele Probleme fortbestehen, darunter die schwachen Banken in Europa, die überschuldeten Kommunen in China und die unnötig komplizierte Finanzregulierung in den USA. Trotzdem ist der Boden für eine anhaltende Phase solideren Wachstums inzwischen bereitet.

Doch wird die populistische Flut, die derzeit die hochentwickelten Länder überspült, die sich beschleunigende Erholung ertränken? Oder wird die Erholung politischen Führern, die voll Zuversicht verführerisch einfache Lösungen für äußerst komplexe Probleme propagieren, das Wasser abgraben?