Europe and Africa migrants discussion Ludovic Marin/Getty Images

Europas Chance im Jahr 2018

MADRID – Mittlerweile ist es ein Klischee, jeden Dezember zu erklären, das nächste Jahr werde für die Europäische Union von entscheidender Bedeutung sein. Das Muster ist vertraut: aufgrund von Ereignissen, auf die man nicht vorbereitet war, erlebt Europa 12 turbulente Monate, improvisiert eine Antwort und beschließt, sich den tieferen strukturellen Problemen zuzuwenden. Dann kommt das nächste Jahr, Europa wird wieder von den Ereignissen überrollt und verfällt erneut in den kurzfristigen Krisenbewältigungsmodus. Wird man diesem Kreislauf 2018 entkommen?

Die kurze Antwort lautet: könnte sein – zumindest aber ist man dazu in der Lage. Nach beinahe einem Jahrzehnt des unablässigen Dramas – eines Finanzdesasters gefolgt von der russischen Invasion in der Ukraine und der Annexion der Krim, der Migrationskrise, des Brexit und der Wahl eines amerikanischen Präsidenten, der die transatlantische Partnerschaft infrage stellt – befindet sich Europa an der Schwelle zu 2018 in einer relativ stabilen Lage.

An den Grenzen Europas braut sich nicht nur keine Krise zusammen, auch der wirtschaftliche Ausblick präsentiert sich trotz anämischen Wachstums stabil. Noch wichtiger: die Wahlen des Jahres 2017 in den drei größten europäischen Volkswirtschaften führten nicht zu weiterem populistischen Aufruhr. Frankreich hat mit Emmanuel Macron einen proeuropäischen Präsidenten; in Deutschland formiert sich eine proeuropäische große Koalition; und der britischen Führung ist es trotz ihrer tiefen Spaltung gelungen, sich mit ihren EU-Partnern auf einen Entwurf für eine Scheidungsvereinbarung zu einigen, die als Plattform für weitere Verhandlungen dienen wird. Italien ist das einzige große EU-Land, in dem 2018 Wahlen anstehen.

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