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Warum die chinesischen Städte das globale Wachstum beschleunigen

SCHANGHAI – Seit fünfzehn Jahren ist China eine Haupttriebkraft des globalen Wachstums. Aber jetzt, wo sich der investitionsgetriebene Boom des Landes seinem Ende zuneigt, wird das weitere Wirtschaftswachstum – in China und in der ganzen Welt – von den Konsumenten der chinesischen Städte abhängen. Im Jahr 2030 werden Menschen, die in Städten leben, 91% des weltweiten Konsumwachstums ausmachen, und China betont sowohl die Urbanisierung als auch ein konsumorientiertes Wachstumsmodell.

Jüngste Forschungen des McKinsey Global Institute (MGI) geben Anlass zu Optimismus, dass Chinas Strategie erfolgreich sein wird. MGI (bei denen eine von uns Partnerin ist) prophezeit ein anhaltendes Wachstum der Zahl und des Einkommens städtischer Konsumenten und sagt voraus, dass von heute bis zum Jahr 2030 von 700 chinesischen Städten 7 Billionen US-Dollar oder 30% des globalen städtischen Konsums beigesteuert werden.

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Momentan leben in Chinas Städten 521 Millionen Konsumenten im arbeitsfähigen Alter, und in nur 15 Jahren wird diese Zahl auf 628 Millionen steigen. In Peking, Guangzhou, Schanghai und Shenzhen wird es jeweils mehr als eine Million neue Haushalte mit einem Jahreseinkommen von über 70.000 US$ geben – was der heutigen Anzahl solcher Haushalte in Hongkong entspricht. Die Pro-Kopf-Ausgaben werden bis 2030 von 4.800 Dollar auf 10.700 Dollar steigen, und dann wird diese Gruppe zu jedem Dollar des weltweiten städtischen Konsums 12 Cents beitragen.

Die städtischen Einkommen stehen in China momentan an einem Wendepunkt, an dem die Ausgaben sowohl für Güter als auch für Dienstleistungen rapide steigen. Die jährlichen Ausgaben der Haushalte für persönliche Produkte und Restaurantbesuche werden sich – auf 770 Dollar bzw. 720 Dollar – mehr als verdoppeln. Die chinesischen Konsumenten gehen auch mehr auf Reisen, und das chinesische Institut für Auslandsreiseforschung schätzt, dass im Jahr 2020 über 100 Millionen Chinesen eine Auslandsreise antreten werden.

Chinas neue Konsumentenarmee wird über die Mittel und, wichtiger noch, die Bereitschaft verfügen, ihre höheren Einkommen auch auszugeben. Laut der McKinsey-Umfrage zur globalen Stimmung 2016 unter mehr als 22.000 Konsumenten in 26 Ländern verfügt die chinesische Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter über die weltweit größte Neigung, zusätzliches Einkommen nicht zu sparen oder zur Kredittilgung zu verwenden, sondern tatsächlich auszugeben.

Ebenso wie die Baby-Boomer des Westens wird die heutige Generation der städtischen Konsumenten Chinas – die nach den Reformen im Land aufgewachsen ist und über Konsum oder Sparsamkeit andere Auffassungen hat als ihre Eltern – mit der Vergangenheit brechen. Durch diesen Gesinnungswandel wird Chinas Übergang hin zu einer konsumorientierten Volkswirtschaft beflügelt.

Als Kinder des digitalen Zeitalters treiben Chinas Konsumenten im arbeitsfähigen Alter die Innovationen dadurch an, dass sie bei der Neuentwicklung von Produkten und Dienstleistungen direkt mit den Unternehmen interagieren. In einer McKinsey-Umfrage gaben 55% von ihnen an, sie seien bereit, ihren Freunden oder ihrer Familie über das soziale Netzwerk WeChat ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Unternehmen zu empfehlen. Der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi führt unter seinen Kunden direkte Online-Befragungen durch, um ihre Innovationswünsche zu erfahren. Das Unternehmen hat auf der Microblogging-Plattform Weibo über zehn Millionen „Anhänger“.

Und jetzt folgen auch westliche Unternehmen diesem Beispiel. Die chinesische Niederlassung von Volkswagen tritt mit möglichen Kunden online in Kontakt, anstatt sich lediglich auf traditionelle Händlerbeziehungen zu verlassen. Die Fung-Gruppe (bei der einer von uns geschäftsführender Direktor ist) hat gemeinsam mit IBM und Pico in Schanghai ein „Einzelhandelslabor“ gegründet, das es Unternehmen in einer kontrollierten Umgebung erlaubt, in Echtzeit zu beobachten, wie Konsumenten auf neue Technologien und Produkte reagieren.

Chinesische Konsumenten – sogar diejenigen mit relativ geringem Einkommen – kurbeln nicht nur zukünftige Innovationen an, sondern investieren auch massiv in die nächste Generation. Zwischen 2015 und 2030 wird voraussichtlich 12,5% des gesamten Konsumwachstums in die Ausbildung fließen. Dies ist hinter Schweden (12,6%) der zweithöchste Wert aller Länder, die das MGI untersucht hat. Indem sie heute in die Fähigkeiten der nächsten Generation investieren, legen die chinesischen Konsumenten auch für die Zukunft eine solide Basis für Wachstum und Innovationen.

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Um eine solche Fortsetzung des Wachstums zu erreichen, muss China sein Wirtschaftsmodell noch stärker von der Produktion auf den Konsum umstellen. Ein Übergang dieser Art ist nie leicht, und es gilt, viele Herausforderungen zu bewältigen. Aber Chinas große Zahl immer wohlhabenderer, gut ausgebildeter und selbstbewusster Konsumenten hat genügend Einfluss, um die Art und Weise zu transformieren, auf die weltweit Ausgaben getätigt werden – vielleicht sogar noch stärker, als es die westlichen Baby-Boomer auf ihrem Höhepunkt vermochten. Die mobilen Einkaufsgewohnheiten, die Offenheit gegenüber Reisen und neuen Erfahrungen sowie die steigende Kaufkraft der Chinesen lassen erwarten, dass die von ihnen erworbenen Produkte und Dienstleistungen die weltweiten Konsumentenmärkte beeinflussen und das globale Wirtschaftswachstum ankurbeln. Die Weltwirtschaft braucht sie – und kein konsumentenorientiertes Unternehmen kann es sich leisten, sie zu ignorieren.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff