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Großbritanniens Stunde der Wahrheit

BRÜSSEL – Das Votum Großbritanniens, die Europäische Union zu verlassen, hat die Rolle des Landes in Europa in die Schwebe gestellt. Jeder neue Tag verstärkt die festgefahrene Situation zwischen Großbritannien und der EU und macht die Zukunft unsicherer.

Die EU-Führung möchte den Prozess beschleunigen und hat Großbritannien aufgefordert, umgehend die in Artikel 50 (der den Austritt von Mitgliedsstaaten regelnden Bestimmung des Vertrags von Lissabon) vorgesehenen Schritte einzuleiten.

Auf britischer Seite herrscht Chaos. Die Briten müssen zunächst einen neuen Regierungschef bestimmen, da Premierminister David Cameron seinen Rücktritt angekündigt hat. Doch akzeptieren inzwischen die meisten britischen Politiker das Ergebnis des Brexit-Referendums und erkennen an, dass das Wählervotum nun auf eine Weise umgesetzt werden muss, die dem nationalen Interesse Großbritanniens am ehesten Rechnung trägt.

Da der EU-Binnenmarkt für Großbritannien schon immer eine Schlüsselpriorität war, ist eine weithin diskutierte Option, die parteiübergreifende Unterstützung genießt, das sogenannte „Norwegen-Modell“: die Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).