Brexit Jeff J Mitchell/Getty Images

Europa nach dem Brexit

PARIS – US-Präsident Franklin D. Roosevelt erklärte einst: „Das Einzige, wovor wir Angst haben müssen, ist die Angst selbst.” Dass er damit nicht ganz richtig lag, beweist das Referendum über den „Brexit“ in Großbritannien, im Rahmen dessen sich gerade etwas mehr als die Hälfte der Abstimmungsteilnehmer für einen Austritt aus der Europäischen Union aussprachen. Wir müssen uns nämlich auch vor Menschen wie Großbritanniens Populisten fürchten, die sich die Ängste der Öffentlichkeit zunutze machen, um wirklich erschreckende Abstimmungsergebnisse herbeizuführen. In diesem Fall könnte das Resultat sehr wohl zum Zerfall der EU führen.

Nach 43 Jahren EU-Mitgliedschaft hat sich Großbritannien auf die vermeintlich demokratischste Art und Weise entschieden, sich in sich selbst zurückzuziehen. So pragmatisch und realistisch die Briten sonst auch sein mögen, aber damit stimmten sie gegen ihre eigenen Interessen. Mit der Ablehnung der EU haben sie ihr Land wahrscheinlich zu schrittweiser Verarmung und zu einem möglicherweise weniger schrittweisen Zerfall verurteilt. Die politischen Führungen in Schottland und Nordirland, wo man mit überwältigender Mehrheit für den Verbleib stimmte, formulierten nämlich bereits ihre Austrittswünsche aus dem Vereinigten Königreich.  

In Wirklichkeit hätten sich die Briten vor einem Brexit fürchten sollen. Doch die Vernunft - halbherzig verteidigt von einem uninspirierten Establishment, dem man nicht mehr vertraute - hatte keine Chance gegen die Angst vor dem, was durch ein offenes Tor nach Europa - und zum Rest der Welt - hereinkommen würde.

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