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Was könnte in Amerika schief gehen?

CAMBRIDGE – Obwohl sich die Wirtschaft der Vereinigten Staaten – mit effektiver Vollbeschäftigung und einer Inflationsrate von etwa 2% – in einem guten Zustand befindet, lohnt es sich aufgrund der unsicheren Weltlage, darüber nachzudenken, was im nächsten Jahr schief gehen könnte. Denn sollte die US-Wirtschaft ernsthafte Probleme bekommen, hätte dies negative Folgen für Europa, Japan und viele andere Länder.

Natürlich könnten wirtschaftliche Probleme aus internationalen politischen Ereignissen entstehen. Russland hat sich in Ost- und Zentraleuropa gefährlich verhalten. Chinas Durchsetzung territorialer Ansprüche im Ost- und Südchinesischen Meer und seine Ostasienpolitik im Allgemeinen trägt zur regionalen Unsicherheit bei. Die Ereignisse in Italien könnten die Eurozone in eine Krise stürzen.

Aber innerhalb der USA besteht das größte Risiko in der Möglichkeit einer scharfen Preiskorrektur bei den Geldanlagen, die Haushalte und Unternehmen unter Druck setzen und zu einem Einbruch der Gesamtnachfrage führen könnte. Ich behaupte nicht, dass dies geschehen wird. Aber angesichts dessen, dass die Anlagepreise immer weiter über den historischen Normalzustand hinaus steigen, wird das Umfeld gefährlicher.

Die Bewertungen der Aktien liegen gemessen an den Kurs-Gewinn-Verhältnissen der S&P-500-Werte bereits fast 60% über dem historischen Durchschnitt. Der Kurs der 30-jährigen Staatsanleihen ist so hoch, dass er eine Rendite von etwa 2,3% widerspiegelt. Angesichts der aktuellen Inflationserwartungen müsste die Rendite etwa doppelt so hoch sein. Und die Preise für Renditeimmobilien sind in den letzten fünf Jahren jährlich um 10% gestiegen.