Auto assembly line at the industrial town Thika of Nairobi Andrew Wasike/Anadolu Agency/Getty Images

Hohe Renditen für Afrika

WASHINGTON – Seit 2000 befinden sich mindestens die Hälfte der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Afrika. Und bis 2030 wird Afrika 1,7 Milliarden Einwohner haben, deren Verbrauchs- und Geschäftsausgaben zusammen 6,7 Billionen betragen werden.

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Vor sieben Jahren war im Harvard Business Review zu lesen,dass in Afrika auch die größten Chancen der Welt zu finden sind. Und dennoch, trotz des enormen Geschäftspotenzials steht Afrika noch immer nicht ganz oben auf der Agenda führender Unternehmer aus dem Westen.

Zwischen 2014 und 2016 fielen die Exporte aus den USA nach Afrika um fast die Hälfte, von 38 Milliarden US-Dollar auf 22 Milliarden US-Dollar. Und während sich die Investitionen des Vereinigten Königreichs auf dem Kontinent zwischen 2005 und 2014 zwar mehr als verdoppelt haben und jetzt bei 57,6 Milliarden US-Dollar liegen, liegt der Anteil des Exports nach Afrika bei lediglich 2,5 Prozent des gesamten Exports.

Der Westen verliert schnell an Boden gegenüber China, das seine Exporte nach Afrika zwischen 2005 und 2015 auf 103 Milliarden erhöht und damit mehr als versiebenfacht hat. Wenn Unternehmen aus dem Westen da mithalten wollen, müssen sie sich die afrikanischen Länder und die Branchen mit dem höchsten Wachstumspotenzial erschließen.

Im Jahr 2030 wird mehr als die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung in sieben Ländern leben: Nigeria, Äthiopien, Kongo, Ägypten, Tansania, Kenia und Südafrika. Wichtiger noch, 43 Prozent der Afrikaner werden zum Mittelstand oder zu den oberen Klassen gehören, im Vergleich zu 39,6 Prozent 2013. Das bedeutet eine erheblich höhere Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen. Bis 2030 soll der Haushaltskonsum 2,5 Billionen US-Dollar betragen, im Vergleich zu 1,1 Billionen US-Dollar 2015.

Fast die Hälfte von diesen 2,5 Billionen US-Dollar wird in drei Ländern ausgegeben werden: Nigeria (20 Prozent), Ägypten (17 Prozent) und Südafrika (11 Prozent). Aber es wird auch lukrative Gelegenheiten in Algerien, Angola, Äthiopien, Ghana, Kenia, Marokko, Sudan und Tunesien geben. Jedes dieser Länder wäre eine gute Wahl für Unternehmen, die sich neue Märkte erschließen wollen.

Die Branchen, die bis 2030 den meisten Mehrwert generieren werden, sind Lebensmittel und Getränke (740 Milliarden US-Dollar), Bildung und Verkehr (397 Milliarden US-Dollar) und Wohnungsbau (390 Milliarden US-Dollar). Aber es wird auch starkes Wachstum in anderen Bereichen geben wie Verbrauchsgüter (370 Milliarden US-Dollar), Gastronomie und Erholung (260 Milliarden US-Dollar), Gesundheitswesen (175 Milliarden US-Dollar), Finanzdienstleistungen (85 Milliarden US-Dollar) und Telekommunikation (65 Milliarden US-Dollar).

Natürlich hängt viel von diesem Wachstum davon ab, dass die Afrikanische Union ihren neuen Kontinentalen Freihandelsbereich (CFTA) korrekt umsetzt. Damit würde ein Einheitsmarkt für Waren und Dienstleistungen geschaffen, der Unternehmen viele Einstiegspunkte bietet. Darüber hinaus will der CFTA die Notwendigkeit der Konnektivität erhöhen, sodass es neue Gelegenheiten geben wird, in Infrastruktur und Branchen zu investieren, die von Transport und Energie bis hin zu Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) und Wasser reichen. Die Afrikanische Entwicklungsbank kann Investoren mit ihrem Programm für die Entwicklung von Infrastruktur in Afrika helfen, erfolgversprechende Projekte zu finden.

Ein weiterer wichtiger Wachstumsbereich bis 2030 werden die Ausgaben im afrikanischen Firmenkundengeschäft sein, die 4,2 Billionen US-Dollar erreichen werden, im Vergleich zu 1,6 Billionen US-Dollar 2015. Hier werden die größten Sektoren Landwirtschaft und landwirtschaftliche Verarbeitung (915 Milliarden US-Dollar), verarbeitende Industrie (666 Milliarden US-Dollar) und Bau, Versorgung und Verkehr (784 Milliarden US-Dollar) sein, gefolgt von Groß- und Einzelhandel (665 Milliarden US-Dollar), Ressourcen (357 US-Dollar), Banken und Versicherungen (249 Milliarden US-Dollar) sowie Telekommunikation und ICT (79,5 Milliarden US-Dollar).

Das erwartete Wachstum bei Landwirtschaft und landwirtschaftlicher Verarbeitung spiegelt die Tatsache, dass Lebensmittel und Getränke den größten Anteil an den Haushaltsausgaben insgesamt haben werden. Zudem liegen 60 Prozent der ungenutzten Anbauflächen der Welt in Afrika, dessen Anteil an den weltweiten Landwirtschaftsexporten noch immer verschwindend gering ist. Das bedeutet, dass es viel Raum für Wachstum gibt. Und da extremer Hunger noch immer viele afrikanischen Länder betrifft, können Investoren zum Allgemeinwohl beitragen, indem sie in Düngemittel, Maschinen, Wasser und Bewässerungssysteme und in andere landwirtschaftliche Bereiche investieren.

2012 waren die afrikanischen Länder mit dem höchsten landwirtschaftlichen Mehrwert hinsichtlich des jährlichen Wachstums Burkina Faso, Äthiopien, Nigeria, Mozambique, Ruanda und Tansania. Hinzu kommen Angola, Marokko und Südafrika, die heute alle bedeutende Märkte haben und zugesagt haben, ihren Landwirtschaftssektor auszubauen.

Laut dem Harvard Business Review hat Afrika auch das Potenzial, „die nächste große Produktionsstätte der Welt” zu werden. China wird vermutlich bis 2030 85-100 Millionen arbeitsintensive Produktionsjobs im Niedriglohnsektor verlieren, und Afrika ist bereit, viele davon aufzufangen.

Das hilft bei der Erklärung, warum die herstellende Industrie hinsichtlich der Ausgaben im Firmenkundengeschäft der zweitgrößte Sektor sein wird. Ein weiterer Grund ist, dass viele der Produktionschancen in Afrika in global wettbewerbsfähigen Sektoren liegen, wie Automobilindustrie oder Transportgeräte, Raffinerieerzeugnissen, Computer und Bürogeräte und Industrieanlagen. Südafrika, Ägypten und Nigeria entwickeln vielversprechende Investitionsgelegenheiten in diesen Bereichen. Und Investoren werden auch hohe Renditen und gute Unternehmensbedingungen in Äthiopien, Marokko und Ruanda finden.

Afrika ist der letzte unerforschte Markt der Welt, und Unternehmen aus dem Westen müssen beginnen, das enorme Potenzial auszuschöpfen, wie es chinesische Firmen bereits tun. Geschäfte in Afrika werden auch nachhaltige Arbeitsplätze erzeugen und dazu beitragen, die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen zur Beseitigung von Armut und Hunger zu erreichen. Wie die Kommission für Unternehmen und Nachhaltig Entwicklung gezeigt hat, könnte die Verfolgung der Entwicklungsziele „neue Marktchancen eröffnen und damit Billionen erwirtschaften, so dass Wohlstand für alle möglich wird.”

Aus dem Englischen von Eva Göllner.

http://prosyn.org/b4hRF52/de;

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