Pulverfass Naher Osten

TEL AVIV – Im gesamten Nahen Osten macht sich eine fatalistische Meinung breit: Krieg ist unvermeidbar. Einige sehen Krieg als eine Möglichkeit zur Lösung einer zunehmend festgefahrenen Situation an, da er eine nicht funktionierende regionale Ordnung aufrüttelt, deren Hauptakteure sich nicht nur in den Haaren liegen, sondern auch nicht in der Lage sind, die Legitimitätsdefizite ihrer jeweiligen Regierungen zu beseitigen.

Ein Schwall hetzerischer Äußerungen zwischen Israel, Syrien und Hisbollah hat die Angst vor einem möglichen Krieg an Israels nördlicher Grenze geschürt. Die Empfindlichkeit ist so hoch, dass die jüngsten Spannungen dadurch ausgelöst wurden, dass die Syrer einen Aufruf des israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak fälschlicherweise als Bedrohung auslegten: Er sprach sich dafür aus, Friedensverhandlungen aufzunehmen, gerade um einen „totalen regionalen Krieg“ zu verhindern.

Der Anführer der Hisbollah, Hassan Nasrallah, warnte die Israelis zum ersten Mal ausdrücklich, dass eine neue Konfliktrunde nicht mehr auf eine israelisch-libanesische Kraftprobe beschränkt bliebe, sondern die gesamte regionale „Konfrontationsachse“ einbeziehen würde, also Syrien, den Iran, die Hisbollah und Hamas. Dies wäre ebenso der Fall, wenn Israel seine Luftstreitkräfte auf die Atomanlagen des Iran losließe. Zudem machte Nasrallah deutlich, dass Israels „Dahiya-Doktrin“ der totalen Zerstörung des Libanon im Falle eines Krieges auf gleiche Weise beantwortet würde.

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