Die Medien gegen die psychisch Kranken

MELBOURNE – James Holmes, der beschuldigt wird, in einem gut besuchten Kino in Aurora, Colorado, Feuer gelegt zu haben, war nicht vorbestraft, aber hatte vor dem Vorfall einen Psychiater besucht. Adam Lanza, der unter Verdacht steht, seine Mutter ermordet und an einer Grundschule in Connecticut zwanzig Kinder und sechs Erwachsene niedergeschossen zu haben, bevor er sich selbst das Leben nahm, war nie zuvor mit dem Gesetz in Konflikt. Allerdings war bei ihm eine „Persönlichkeitsstörung“ und die Entwicklungsstörung Asperger-Syndrom diagnostiziert worden. Anders Behring Breivik in Norwegen, Jared Lee Loughner in Arizona, Seung-Hui Cho in Virginia – die Liste der psychisch kranken Massenmörder ist lang.

Tatsache ist, dass die Entscheidung, eine zufällige, große Anzahl unschuldiger Menschen zu ermorden, ein Zeichen für zutiefst gestörtes Denken ist, welches wiederum auf eine psychische Krankheit hindeuten kann. Aber entgegen der weit verbreiteten Ansicht bedeutet dies nicht, dass Menschen, die unter psychischen Krankheiten leiden, gefährlich oder gewalttätig sind. Diese allgemeine Meinung – und die entsprechende Berichterstattung – verstärkt die weit verbreitete Stigmatisierung psychisch Kranker, vergrößert ihr Leiden und verhindert ihre vollständige Teilnahme an der Gesellschaft.

Die öffentliche Wahrnehmung des Gewaltrisikos, das von psychisch Kranken ausgeht, steht den Tatsachen völlig entgegen. In den Vereinigten Staaten beispielsweise glauben 42% der Erwachsenen, ein depressives Kind sei möglicherweise gefährlich. Und 70% der Amerikaner sind der Meinung, Patienten einer Anstalt für psychisch Kranke könnten gefährlich sein. Aber der psychiatrischen Vereinigung der USA zufolge verüben Menschen mit psychischer Störung, die etwa ein Viertel der Bevölkerung ausmachen, nur 4-5% der Gewaltverbrechen. Auch wenn psychisch kranke Menschen möglicherweise eher dazu neigen, Gewalttaten zu begehen, wenn sie nicht behandelt werden oder Alkohol- oder Drogenmissbrauch betreiben, ist das Risiko gering.

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