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TUR_20171114_WFP-Deniz_Akkus_0055 Deniz Akkus/UNWFP

Flüchtlinge und die Macht der Hilfszahlungen

ROM – Die Welt erlebt gerade das höchste Ausmaß an erzwungener Migration in ihrer Geschichte. Konflikte, Naturkatastrophen und andere Gefahren haben über 70 Millionen Menschen aus ihrem Zuhause vertrieben. 26 Millionen von ihnen wurden zu Flüchtlingen. Häufig müssen sie zu langen und gefährlichen Reisen aufbrechen, und wenn sie am Ziel sind, müssen sie überlegen, wie sie sich ein neues Leben aufbauen können. Glücklicherweise gibt es Wege, diesen Flüchtlingen zu helfen – und gleichzeitig den örtlichen Gemeinschaften, in denen sie jetzt leben.

In diesen Zeiten politischer Spaltung und Uneinigkeit stellt sich zweifellos die Frage, ob humanitäre Hilfe wirklich effektiv sein kann. Aber es gibt eindeutige Hinweise darauf, dass innovative und flexible humanitäre Hilfsansätze effizient und kosteneffektiv sein können und das Leben der Menschen positiv verändern.

Einer dieser Ansätze besteht darin, Hilfszahlungen zu leisten. Bei den syrischen Flüchtlingen in Jordanien, im Libanon und in der Türkei hat sich dies bereits als unschätzbar wertvoll erwiesen. Insbesondere das türkische Soziale Notfallsicherheitsnetz (Emergency Social Safety Net, ESSN) hat dafür gesorgt, dass etwa 1,6 Millionen Flüchtlinge nicht nur ihre eigenen unmittelbaren Bedürfnisse decken, sondern auch an ihrer lokalen Wirtschaftsgemeinschaft teilhaben konnten.

Das ESSN, das Ende 2016 von der Europäischen Union (EU) und der türkischen Regierung ins Leben gerufen und gemeinsam mit dem türkischen Roten Kreuz vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP, World Food Program) umgesetzt wurde, ist im Umfang, im Ansatz und in seiner Wirkung einmalig. Flüchtlingsfamilien, die darauf Anspruch haben, bekommen eine Debitkarte, die jeden Monat pro Familienmitglied mit 120 türkischen Lira (€19) aufgeladen wird. Weiterhin erhalten sie quartalsweise einen Zuschuss, der von der Familiengröße abhängt. Laut Untersuchungen des WPF geben die Flüchtlinge dieses Geld normalerweise für Miete, Strom, Lebensmittel und Gesundheit aus.

Seit Beginn des Programms ist die Anzahl der Nutzer, die ihre Kinder aus der Schule genommen haben, um über 50% zurückgegangen, und die Anzahl der teilnehmenden Eltern, die auf Essen verzichten mussten, um die Ernährung ihrer Kinder zu gewährleisten, ist um 45% gefallen. Und wie die #IncredibleOrdinary-Kampagne des WPF gezeigt hat, gibt es noch einen grundlegenderen Effekt: Wird Flüchtlingen nicht vorgeschrieben, was sie tun sollen, sondern werden sie befähigt, jeden Tag selbst Entscheidungen zu treffen – was sie essen oder wie sie zur Arbeit kommen sollen – bekommen diese Menschen, die alles verloren haben, ein Gefühl der Freiheit, Würde und Identität zurück.

Die gute Nachricht ist, dass die Unterstützung zur Hilfe von Flüchtlingen – und für solche Programme – stark ist. Auf einer Geberkonferenz unter der Leitung der UN und der Europäischen Union versprachen kürzlich mehr als fünfzig Länder, 6,97 Milliarden Dollar bereitzustellen, um Millionen bedürftiger Syrer zu unterstützen – sowohl innerhalb als auch außerhalb ihres Heimatlands.

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Das vollständig von der EU finanzierte ESSN ist ein Beweis für die Bereitschaft Europas, nicht nur Flüchtlingen zu helfen, sondern auch die türkische Regierung und Gesellschaft zu unterstützen, die den 3,6 Millionen Syrern, die momentan in der Türkei leben, außerordentliche Gastfreundschaft erwiesen haben. Insgesamt beherbergt die Türkei etwa vier Millionen Flüchtlinge – viel mehr als jedes andere Land in der Welt. Dies hat die öffentlichen Dienstleistungen und andere lokale Ressourcen des Landes stark belastet.

Das ESSN hat den Flüchtlingen geholfen, sicher zu wohnen, sich vielfältiger zu ernähren und ihre Kinder in der Schule zu lassen. So konnte es dazu beitragen, diese Belastung zu lindern. Darüber hinaus hat es die Flüchtlinge zu aktiven Konsumenten gemacht und damit die türkische Wirtschaft erheblich gefördert – über zweieinhalb Jahre um mehr als eine Milliarde Dollar.

Das ESSN ist keineswegs das erste Hilfszahlungsprogramm, das einen derart bedeutsamen Einfluss hat. Im letzten Jahrzehnt wurden diese Programme aufgrund ihres Erfolgs immer weiter angepasst und ausgeweitet. Bis 2009 hatten die WFP-Hilfszahlungsprogramme in zehn Ländern nur etwa zehn Millionen Dollar verteilt. Bis 2018 ist diese Summe auf 1,76 Milliarden Dollar in 62 Ländern gestiegen.

Natürlich sind Hilfszahlungen kein Allheilmittel. Um die Menschen zu schützen, die in Konfliktgebieten gefangen sind oder unter den Folgen von Naturkatastrophen leiden, sind auch andere Initiativen erforderlich – wie Programme zur Lebensmittelverteilung und Ernährungshilfe. Aber an Orten, an denen die Märkte gut genug entwickelt sind, um die erforderlichen Waren und Dienstleistungen bieten zu können – wie in den Städten, in denen die Flüchtlinge zunehmend ankommen – können Hilfszahlungen das Leben der Menschen grundlegend ändern.

Flüchtlinge verdienen die Chance, in Würde und Autonomie ein neues Leben aufzubauen. Hilfszahlungsprogramme können ihnen diese Chance geben.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

https://prosyn.org/fxvV4Ulde;
  1. haass107_JUNG YEON-JEAFP via Getty Images_northkoreanuclearmissile Jung Yeon-Je/AFP via Getty Images

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