aslund63_Sergei SavostyanovTASS via Getty Images_putin call-in Sergei Savostyanov\TASS via Getty Images

Putins gefährliches Ukraine-Narrativ

STOCKHOLM – Der russische Präsident Wladimir Putin ist besessen von der Ukraine – oder, besser gesagt, davon, so zu tun, als gäbe es die Ukraine nicht. In seiner jährlichen Bürgergespräche-Fernsehsendung am 30. Juni behauptete er, dass „Ukrainer und Russen ein Volk sind.” Anschließend publizierte er einen Artikel, der darauf abzielte, diese „Überzeugung“ mit einem Abriss der gemeinsamen Geschichte der beiden Länder zu rechtfertigen. Dabei handelt es sich um ein Lehrstück der Desinformation – das hart an einer Kriegserklärung vorbeischrammt.

Putin lässt seine Geschichte in der Kiewer Rus beginnen, wo Russen, Ukrainer und Belarussen bis zum 15. Jahrhundert geeint durch eine Sprache und – nach der „Taufe der Rus”, also der Christianisierung – auch geeint durch einen Glauben, gelebt hatten. Selbst inmitten der Zersplitterung, so schreibt Putin, empfanden die Menschen Russland als ihr gemeinsames Mutterland.

Diesem Narrativ zufolge war der Polnisch-Russische Krieg von 1605-1618 für die Menschen eine „Befreiung“. Die Ukrainer wurden mit dem Rest des russisch-orthodoxen Volkes „wiedervereinigt“ und bildeten gemeinsam „Kleinrussland“. Und das Wort „Ukraine“ wurde verwendet, weil es so etwas wie „Grenzland“ bedeutet. 

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