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Gesundheit in den Zeiten von Ebola

NEW YORK – Im Afrika südlich der Sahara sollte jedes Kind, das Fieber hat, schnellstens medizinische Hilfe bekommen, um dem Tod durch Malaria oder Lungenentzündung vorzubeugen. Aber während in Liberia – und auch in Sierra Leone, Guinea und Nigeria – die Panik über die Verbreitung von Ebola zunimmt, bringen die Menschen dort zunehmend Klinikmitarbeiter und Gesundheitseinrichtungen mit der Ausbreitung der Krankheit in Verbindung. Um zu gewährleisten, dass sie bei Bedarf weiterhin Hilfe in Anspruch nehmen, müssen die Kliniken verbessert und die Investitionen in vor Ort eingestellte Gemeindekrankenpfleger (GKP) verstärkt werden, die die Hilfsbedürftigen zu Hause erreichen.

Natürlich war das Gesundheitssystem Liberias schon lange vor dem Ausbruch der Ebola mangelhaft – etwa 28% der vier Millionen Einwohner des Landes haben keinen Zugang zu adäquaten Gesundheitseinrichtungen. Durch die umfassende Friedensvereinbarung von Accra wurden zwar viele Jahre des Bürgerkriegs beendet, aber danach gab es im Land nur 51 Ärzte, und die Infrastruktur war stark dezimiert.

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Angesichts dieser geringen Anzahl an professionellen Gesundheitsexperten ist für die Reparatur des Gesundheitssystems mehr erforderlich als der Bau neuer Krankenhäuser oder Kliniken in Liberias dicht mit Regenwald bedecktem ländlichen Raum. Glücklicherweise erkennt die Regierung ebenso wie in anderen afrikanischen Staaten die Notwendigkeit, in die Ausbildung von GKP zu investieren, die abseits der Städte Durchfall, Lungenentzündung und Malaria behandeln können – die drei Haupttodesursachen bei Kindern unter fünf Jahren.

Definitionsgemäß haben GKP enge Beziehungen zu ihren Gemeinden und auch zu traditionellen Heilern, was ihnen dabei hilft, die Rolle des formalen Gesundheitssystems richtig zu bewerten. Gleichzeitig sorgen mobile Technologien für Qualitätskontrolle und Überwachung und statten die GKP mit klinischer Expertenhilfe aus.

im März stellte das liberianische Gesundheitsministerium gemeinsam mit den Vereinten Nationen, USAID, lokalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen sowie privaten Unternehmen einen umfassenden Aufbauplan für das lokale Gesundheitsprogramm des Landes auf. Aber kurz darauf schlug die Ebola zu und lenkte die Aufmerksamkeit auf Kliniken, Quarantäne und Heilungsberichte.

Eine zentrale Rolle bei der Koordinierung der internationalen Hilfe spielte die Weltgesundheitsorganisation, gemeinsam mit den nationalen Regierungen, Hilfsgruppen wie Ärzte ohne Grenzen und den US-amerikanischen Zentren zur Kontrolle und Vorbeugung von Seuchen. Während die Epidemie immer noch wächst, versucht die öffentliche Gesundheitsgemeinschaft, durch 100 Millionen USD für die Einstellung von Ärzten, Epidemologen und anderen Experten eine effektive Antwort zu finden.

Im Kontrast dazu enthält der im März veröffentlichte liberianische Plan eine Schätzung, dass ein nationales GKP-Netzwerk jährlich etwa 20 Millionen USD kosten würde. Sicherlich sollten Investitionen in GKP nicht auf Kosten wichtiger öffentlicher Gesundheitsmaßnahmen zur Eindämmung der Ebola-Ausbreitung oder der Unterstützung von Kliniken vor Ort stattfinden. Aber ohne dauerhafte Investitionen in GKP, deren Kosten verglichen mit denen traditioneller Gesundheitssysteme gering sind, wird es für die internationale Gemeinschaft und die nationalen Regierungen schwierig, die Ausbreitung von Ebola und anderer zerstörerischer Epidemien zu stoppen – und ihr erneutes Auftreten zu verhindern.

Zum Aufbau eines Gesundheitssystems gibt es zwei grundlegende Ansätze. Der eine setzt auf zentrale Krankenhäuser und lokale Kliniken, und der andere gründet sich auf soziale Netzwerke und wird durch GKP in die Wege geleitet. Wenn der erste zu unflexibel ist, verliert er die Krankheiten und ihren sozialen Kontext aus den Augen. Wenn der zweite zu flexibel ist, leidet die Fähigkeit, technisch komplexe Arbeit zu leisten.

Die richtige Balance zu finden ist besonders in Bereichen schwierig, wo der Zugang begrenzt ist oder es an Vertrauen fehlt. Inmitten einer Epidemie ist dies aufgrund der damit verbundenen sozialen Dimension noch komplizierter. Mit anderen Worten wird die Art und Weise, wie Menschen auf eine Erkrankung eines Kindes oder Familienmitglieds reagieren, durch die Erfahrungen der Freunde und Nachbarn, durch die Verfügbarkeit von Gesundheitsleistungen und durch die Wahrnehmung dieser Leistungen durch die Gemeinschaft beeinflusst. Und diese Wahrnehmung bestimmt, wie und wie stark sich die Seuche ausbreitet.

Wie ein Experte der Zentren zur Kontrolle und Vorbeugung von Seuchen erklärt, liegt der Schlüssel zum Beenden von Ebola bei den GKP, da jeder, der Symptome der Seuche zeigt, zum „verdächtigen Patienten“ wird, dessen sämtliche Kontakte weitere drei Wochen beobachtet werden müssen. „Jeden Tag außer Sonntags erstatten die Gesundheitsarbeiter einem Vorgesetzten über ihre Ergebnisse Bericht.“

Eine Organisation namens Last Mile Health hat ein Netzwerk von 300 GKP für 30.000 Patienten aufgebaut, das sogar an Orten wie dem schwer zu erreichenden Konobo in Liberia den Zugang zu einfachen Kliniken ermöglicht. Die hybride Struktur der Organisation ist in der Lage, die üblichen Herausforderungen zu bewältigen und gleichzeitig flexibel genug zu sein, um auf außergewöhnliche Entwicklungen reagieren zu können.

Wenn mit dem Beginn der Regenzeit die Gefahr größer wird, dass die Möglichkeiten des Gesundheitssystems durch eine große Zahl von Epidemien überwältigt werden, wird die Notwendigkeit, die Bürger entsprechend zu mobilisieren, auszubilden und auszurüsten, noch dringender. Dazu ist eine Kombination von gezielter Entwicklungshilfe, Inlandsinvestitionen und Expertenhilfe nötig, ebenso wie die grundlegenden Erfahrungen von Staaten südlich der Sahara, die bereits erfolgreich GKP-Netzwerke aufgebaut haben.

Das gleiche gilt für alle Länder mit aktiven Ebola-Fällen. Tatsächlich arbeiten diese Länder mit der Unterstützung von Mitgliedsorganisationen der Eine-Million-GKP-Kampagne bereits jetzt am Aufbau von GKP-Strukturen. Aber sie benötigen noch mehr Hilfe, und die internationalen Behörden und Entwicklungsbanken sind weiterhin zu stark auf die Ebola-Epidemie konzentriert, als dass sie die nötige Unterstützung bieten könnten.

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Die internationalen Organisationen müssen erkennen, dass sie traditionelle Gesundheitsinvestitionen und Notfallhilfen nicht voneinander trennen müssen. Langfristige Investitionen in verlässliche Gesundheitssysteme sind die einzige Methode, zukünftige Epidemien zu verhindern. Wenn dies nicht geschieht, werden die Menschen im Afrika südlich der Sahara ewig weiter kämpfen müssen, um vermeidbare Gesundheitskrisen zu überwinden.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff