nye205_Bill HintonGetty Images_hackercyberattack Bill Hinton/Getty Images

Die andere globale Machtverschiebung

CAMBRIDGE – Seit 2017 hat sich Amerikas nationale Sicherheitsstrategie auf den Wettbewerb zwischen den Großmächten konzentriert, und viele in Washington stellen heute unsere Beziehung zu China als neuen Kalten Krieg dar. Nun ist die Konkurrenz zwischen den Großmächten offensichtlich ein wichtiger Aspekt der Außenpolitik. Aber wir dürfen nicht zulassen, dass sie die zunehmenden transnationalen Sicherheitsbedrohungen verdeckt, vor die uns die technologische Entwicklung stellt.

Machtverschiebungen zwischen Staaten sind in der Weltpolitik gang und gäbe, doch die technologiebedingte Machtverlagerung weg von Staaten und hin zu transnationalen Akteuren und globalen Kräften birgt eine neue und fremdartige Komplexität. Der technologische Wandel setzt eine Reihe von Themen – darunter die Finanzstabilität, den Klimawandel, Terrorismus, Cyber-Verbrechen und Pandemien – neu auf die globale Tagesordnung und verringert zugleich tendenziell die Fähigkeit der Regierungen, darauf zu reagieren.

Der Bereich der transnationalen Beziehungen, die außerhalb der Kontrolle von Regierungen stehen, umfasst u. a. Banker und Kriminelle, die elektronisch Geld überweisen, Terroristen, die Waffen und Pläne weiterleiten, Hacker, die soziale Medien nutzen, um demokratische Prozesse zu stören, und Umweltbedrohungen wie Pandemien und den Klimawandel. COVID-19 etwa hat bereits mehr Amerikaner getötet als in den Kriegen in Korea, Vietnam und im Irak gestorben sind. Doch wir haben kaum Geld ausgegeben, um uns darauf vorzubereiten. Und COVID-19 wird weder die letzte noch die schlimmste Pandemie sein.

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