Jack Taylor/Getty Images

Wie man sich die Ideen der Populisten zu eigen macht

OXFORD – „Nicht aufregen, heimzahlen.” So muss die neue Maxime der demokratischen Politik in Europa, Lateinamerika, Asien und Afrika lauten. Statt über die Erfolge der Populisten zu lamentieren, sollten die etablierten politischen Parteien lieber Lehren aus den populistischen Erfolgen ziehen. Drei davon gilt es insbesondere zu beherzigen.

Die erste Lehre besteht darin, eine Verbindung zu den Menschen herzustellen, die man vertreten will, indem man sich für sie interessiert und ihr Vertrauen gewinnt. Die Zeit, als sich Politiker auf Parteimaschinerien, Fokusgruppen und traditionelle Umfragen verlassen konnten, sind vorbei. Die selbstgefällige Annahme, wonach die Menschen ewig entsprechend ihrer Zugehörigkeit zu Parteien oder Bevölkerungsschichten wählen, ist überholt. Bei den Präsidenten- und Parlamentswahlen in Frankreich letztes Jahr brach der Zuspruch für die Sozialistische Partei ebenso ein wie für die konservativen Républicains. Auch die etablierten politischen Parteien Italiens mussten bei den Wahlen im letzten Monat eine vernichtende Niederlage hinnehmen. 

Nach einem Jahrzehnt der wirtschaftlichen Malaise stehen die Wähler etablierten Politikern skeptisch gegenüber, die gebetsmühlenhaft Wachstum und einen besseren Lebensstandard versprechen. In den Augen der desillusionierten Arbeiter bringen die Mächtigen einfach nur ihre eigenen Schäfchen ins Trockene. Sogar in vielen der stärksten Ökonomien der Welt verdienen Arbeiter real heute weniger als vor zehn Jahren. Um den Generalsekretär der OECD zu zitieren: sie „haben zwar wieder Arbeit, aber weniger Geld.“ In den Vereinigten Staaten berichten 56 Prozent der Haushalte von sinkenden Haushaltseinkommen. Gleichzeitig ließen die Bedrohungen durch Automatisierung und Auslagerung die Beschäftigungsverhältnisse prekärer werden und schwächten die Verhandlungsposition der Arbeiter. 

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