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Missverständnisse bei Deutschlands Handelsüberschuss

BERLIN – Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss hat kürzlich die Rekordmarke von 270 Milliarden Euro erreicht; das sind knapp 8,7% vom BIP. Die laufende Debatte über sein Wirtschaftsmodell hat sich deshalb verschärft. Politiker aus der Eurozone und die Regierung von Donald Trump in den USA schieben sich gegenseitig die Schuld für das wirtschaftliche Ungleichgewicht zu, und alle schimpfen auf den Euro.

Die Trump-Regierung hat Deutschland dafür angegriffen, dass es zu viel exportiere, und hat es beschuldigt, den Euro zu manipulieren. Tatsächlich hat Deutschlands Handelsüberschuss wenig mit dem Euro zu tun, der sich zu einem beliebten Sündenbock entwickelt hat, welcher für andere politische Fehler herhalten muss.

Viele Menschen in Deutschland betrachten die jüngste Welle der Kritik als Zeichen, das andere lediglich neidisch auf den Erfolg ihres Landes sind, und weisen Argumente, das Deutschland versuche, sich einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, verärgert zurück. Sie verweisen darauf, dass Deutschland sich nicht an Preisdumping beteilige oder den Export direkt fördere, und dass seine Regierung kein Kursziel für den Euro festlege.

Deutschland habe im Gegenteil vor Einführung der Gemeinschaftswährung Jahrzehnte lang eine Politik der starken D-Mark verfolgt, weil es die deutschen Exporteure ermutigen wollte, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Innovation aufrecht zu erhalten, statt sich auf den Wechselkurs zu stützen. Dies sei das zentrale Merkmal des deutschen Wirtschaftsmodells nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen und der Hauptgrund, warum sein langes Wirtschaftswunder möglich war.