France's President Emmanuel Macron and Germany's Chancellor Angela Merkel JOHN THYS/AFP/Getty Images

Europas Bretton-Woods-Moment

PRINCETON – Nach der jahrelangen Lähmung während der Schuldenkrise, in die Europa 2009 hineingeraten ist, scheint wieder etwas Schwung in die Europäische Union zu kommen. In Frankreich ist Emmanuel Macron mit seiner Partei La République En Marche! in den Élysée-Palast eingezogen und hat eine breite parlamentarische Mehrheit gewonnen. Und in Deutschland stimmen die Sozialdemokraten, nach langer Verzögerung, gerade über einen neuen Koalitionsvertrag mit der Christlich-Demokratische Union und ihrer bayerischen Schwesterpartei CSU ab.

Es besteht nun Hoffnung auf eine erneute deutsch-französische Zusammenarbeit und auf eine Neuauflage des Élysée-Vertrages, der historischen Vereinbarung, die 1963 zwischen dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Präsidenten Charles de Gaulle geschlossen wurde. Ein neues Abkommen könnte höhere Ausgaben auf EU-Ebene beinhalten und bedeuten, das alte deutsche Tabu einer „Transferunion“ zu überwinden.

Damit sich der gewünschte Effekt einstellt, muss die deutsch-französische Vision für Europa allerdings so erfrischend und mutig sein, dass sie die Öffentlichkeit begeistert. Viele Europäerinnen und Europäer haben die Nase voll von technokratischen Problemlösungen, die hinter den Kulissen ausgehandelt werden, und von der formelhaften Berufung auf universelle Ideale. Menschen brauchen Ideale, aber sie brauchen auch vernünftige, konkrete Maßnahmen.

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