Herumgewurstel am Brandherd

PARIS: Die Finanzmärkte haben sich seit Juli erholt. Dies gründet auf die Hoffnung, dass sich die weltweiten wirtschaftlichen und geopolitischen Aussichten nicht weiter verschlechtern werden oder, falls doch, dass die Zentralbanken bereitstehen, um Volkswirtschaften und Märkte mit zusätzlichen Runden der Liquiditätsbereitstellung und quantitativen Lockerung zu stützen. Es haben also nicht allein die guten – oder besser als erwarteten – Wirtschaftsnachrichten die Märkte befeuert, sondern selbst schlechte Nachrichten wurden als gute Nachrichten interpretiert, weil sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Brandbekämpfer in den Zentralbanken wie US Federal Reserve Chairman Ben Bernanke und EZB-Präsident Mario Draghi die Märkte mit Geld überschwemmen werden.

Doch Märkte, die bei guten wie schlechten Nachrichten steigen, sind nicht stabil. „Risk-off-Phasen“, in denen sich die Stimmung der Anleger eintrübt, dürften wiederkehren, falls sich die Wirtschaftsnachrichten verschlechtern und das Vertrauen in die Effektivität der Politik sinkt.

In der Eurozone war die Reaktion auf die Entscheidung der EZB, durch potenziell unbegrenzten Ankauf von Anleihen aus den Krisenländern für Unterstützung zu sorgen, euphorisch. Doch grundlegende Veränderungen bringt dieser Schritt nicht; er kauft der Politik lediglich Zeit, um jene harten Maßnahmen umzusetzen, die zur Beilegung der Krise nötig sind. Und die politischen Herausforderungen sind beängstigend: Die Rezession in der Eurozone vertieft sich angesichts der fortgesetzten verfrühten Haushaltskonsolidierung und schweren Kreditrationierung. Und die Schaffung einer Banken-, Fiskal- und Wirtschaftsunion bei gleichzeitiger Umsetzung gesamtwirtschaftlicher Strategien, die Wachstum, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und Konkurrenzfähigkeit wiederherstellen, wird angesichts der zunehmenden Balkanisierung der Banken und öffentlichen Schuldenmärkte der Eurozone äußerst schwierig.

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