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Wie man dem Ölfluch entgeht

CAMBRIDGE, MASS.: Die Libyer leben wieder auf; sie haben das Gefühl, nach langer Zeit endlich Herren über ihr eigenes Schicksal zu sein. Die Iraker empfinden es nach einem Jahrzehnt des Krieges möglicherweise genauso. Beide Länder sind Ölproduzenten, und unter ihren Bürgern ist die Erwartung weit verbreitet, dass dieser Reichtum ein großer Vorteil beim Wiederaufbau ihrer Gesellschaften sein wird.

In Afrika hat derweil Ghana erstmals mit der Ölförderung begonnen, und auch Uganda steht kurz davor. Tatsächlich streichen derzeit von Westafrika bis hin zur Mongolei Länder unerwartete Gewinne aus neu entdeckten Öl- und Mineralvorkommen ein. Verstärkt wird ihre Euphorie durch das historische Niveau, das die Öl- und Mineralpreise im Verlaufe der letzten vier Jahre erreicht haben.

Viele Länder waren schon einmal in dieser Lage: euphorisch aufgrund unverhoffter Reichtümer an natürlichen Ressourcen. Aber dann mussten sie erleben, wie der Boom in Enttäuschung endete und die von ihm ausgehenden Chancen vertan wurden, ohne dass sich die Lebensqualität ihrer Bevölkerungen großartige verbessert hätte. Doch ob Libyen oder Ghana, einen Vorteil haben die politischen Führungen heute im Vergleich zu früher: Die meisten sind sich der Geschichte klar bewusst und wollen wissen, wie man dem berüchtigten „Ressourcenfluch“ entgeht.

Nun muss man, um ein Heilmittel zu verschreiben, zunächst die Krankheit diagnostizieren. Warum erweist sich Ölreichtum genauso häufig als Fluch wie als Segen?