9

Wenn Obama immer mithört

WIEN – Was verbindet den „Amerika zuerst“ Präsidenten Donald Trump, Polens politischen Strippenzieher Jarosław Kaczyński und den russischen Präsidenten Wladimir Putin? Trump und Kaczyński, brusttrommelnde Nationalisten, sollten Russlands revanchistisches Staatsoberhaupt für seine Expansionspolitik in postsowjetischen Staaten wie Georgien und der Ukraine schmähen. Doch Trump ist voll des Lobes für Putin, während Kaczyński vermehrt dessen autokratische Methoden nachahmt. Und alle drei scheinen nicht nur empfänglich für abstruse Verschwörungstheorien, sondern nutzen diesen Glauben, um Politik zu machen und die Öffentlichkeit zu manipulieren.

Putin wittert überall Verschwörungen, die Russlands Größe untergraben sollen, zumeist angezettelt von den westlichen Geheimdiensten der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs. Die Theorien, die er vertritt, entbehren oft jeder Grundlage, aber man kann zumindest nachvollziehen, warum er ihnen glauben könnte: Für einen ehemaligen KGB-Agenten, der selbst Chef eines Spionagerings war, ist ein gewisses Misstrauen, dass die Dinge nicht immer so sind, wie es scheint, nicht gerade überraschend.

Trumps Empfänglichkeit – um nicht zu sagen Begeisterung – für radikale Verschwörungstheorien lässt sich nicht so einfach erklären. Trump ist alles andere als ein Ränkeschmied, es sei denn, der hart umkämpfte New Yorker Immobilienmarkt ist noch stärker von der Mafia durchdrungen als es Außenstehende vermuten.

Es scheint klar zu sein, dass Trumps Chefstratege Stephen Bannon, zeit seines Lebens ein antiliberaler Märchenonkel, die dumpfe Weltanschauung seines Chefs bekräftigt. Aber nicht einmal Bannons Einfluss kann Trumps fieberhafte Tweets vom Samstagmorgen erklären, in denen er Barack Obama vorwarf, er habe vor der Wahl die Telefone im Trump Tower angezapft.